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Bundesorganisation- Ansprechperson: Werner Fürtner
- Telefon: 0650 / 629 22 22
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Magisch Momente in heimischer Auwildnis
Die Stockerauer Au ist eines der letzten großen zusammenhängenden Augebiete Mitteleuropas. Hier leben u. a. zahlreiche Fisch- und Vogelarten, die auf der Roten Liste stehen. Die Stockerauer Au ist zwar ein Naturschutzgebiet, darf aber zu Fuß, per Rad oder mit einem Boot erkundet werden.
„Oh je, ich glaub, die haben sich was anderes vorgestellt!“ Leicht verzweifelt schaut mein Kollege Holger auf eine ziemlich durchgestylte Familie in weißen Jeans und ebensolchen Sportschuhen. Sie passt nicht so ganz zu der erwartungsfrohen kleinen Gruppe in praktischer Outdoor-Bekleidung, mit der wir heute mit Kanus die Au erkunden wollen.
Das Naturschutzgebiet Stockerauer Au ist quasi das „Sahneschnittchen“ eines riesigen, urwüchsigen Auwaldgebiets, das sich von Korneuburg über Stockerau, Greifenstein und Tulln bis Altenwörth erstreckt. Anders als im Nationalpark bei Hainburg darf man bei uns alle Wege begehen, der sogenannte Gießgang darf auch mit dem Boot befahren werden. Den 42 km langen Gießgang schuf man im Zuge des Baus des Kraftwerks Greifenstein, um das Austrocknen des Augebiets wegen der Eintiefung der Donau zu verhindern. Er bewässert die Au; gespeist wird er durch Grund- und Sickerwasser sowie natürliche Zubringer; bei höheren Wasserständen der Donau strömt Donauwasser in die Au und sorgt für die notwendigen regelmäßigen Überflutungen.
Biber, Teichmuscheln & Co
Die Teilnehmenden unserer kleinen Expedition stellen sich in den Kanus recht geschickt an, und so sind wir schon bald in der Wildnis. An einer Engstelle ist beim letzten Sturm eine große Schwarzpappel quer über den Fluss gebrochen. Also raus aus den Booten und diese tragen! Nach einer kurzen Gatschpartie (die armen weißen Schuhe und
Jeans …) geht es wieder in den Kanus weiter.
Als wir einige von Bibern angeknabberte Ästchen aus dem Wasser fischen, sind selbst die bravsten Kinder nicht mehr zu halten. „Können wir die Biber auch sehen?“, wollen sie wissen. Wir erklären ihnen, dass Biber sich erst in der Dämmerung herauswagen, wir aber die zahlreichen, „Biberrutschen“ anschauen können, die Aus- und Einstiegsstellen der putzigen Tiere in den Uferböschungen. Der Forstschaden den die wiederangesiedelten Biber angeblich verursachen, wird meist übertrieben: Auf dem Speiseplan der streng geschützten Tiere stehen ja fast nur Rinde und Blätter von Weichholz, also hauptsächlich von Pappeln und Weiden.
Nun versperrt uns ein Erdwall die Weiterfahrt. Hier wird der Wasserstand des Gießgangs, wie auch an anderen Stellen in der Au, durch ein kleines Wehr geregelt. Wir steigen aus und machen unter einer schönen Silberweide Mittagspause. Von oben tropft es allerdings immer wieder auf die Gruppe. „Das sind halt noch Tautropfen vom Morgen“, meint ein Teilnehmer. Als ich ihm jedoch erkläre, dass das die Ausscheidungen der Weidenschaumzikade sind, wird unsere gemütliche Jause etwas überhastet beendet.
In der Zwischenzeit haben die Kinder begeistert jede Menge Teichmuscheln in allen Größen geborgen (die müssen natürlich mit); wir kontrollieren noch kurz, dass kein Müll zurückbleibt, dann paddeln wir langsam retour.
Aus einem mit Pfeilkraut verwachsenen Seitenarm kommt uns ein Pärchen in einem Naturfreunde-Leihboot entgegen. „Endlich haben wir nicht nur einige Eisvögel, sondern auch deren Bruthöhle im Steilufer entdeckt“, rufen sie uns strahlend zu. Die beiden sind schon Stammgäste der Naturfreunde; sie leihen sich immer wieder von uns ein Boot aus, manchmal sogar einen Schlauchkanadier für ein verlängertes Wochenende am Ottensteiner Stausee oder an der March.
Nachdem wir am Rückweg einige Silberreiher beobachtet (eigentlich bei ihrer Froschmahlzeit gestört) haben, landen wir schon recht müde beim Naturfreunde-Haus. Zum Abschied nimmt uns die Mutter der adretten Familie zur Seite, bedankt sich vielmals und erzählt uns, dass ihr Bub immer sagt: „Ich spiele lieber im Haus, wo es Steckdosen gibt.“ In der Au hätte er aber ganz begeistert gemeint, dass es hier wie am Dienstag im „Universum“ ist - aber alles „voll super und voll echt“.
Text: Mag. Werner Fürtner, Vorsitzender-Stellvertreter der Naturfreunde Stockerau










