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Biken mit Elektrohilfe

Mittlerweile sind sie keine Exoten mehr auf den Straßen: Pedelecs und E-Bikes werden immer beliebter.

E-Bikes haben einen Motor, der auch unabhängig vom Treten funktioniert. Für das Fahren mit einem E-Bike, das höchstens 25 km/h schnell ist, gelten die Bestimmungen wie für nichtmotorisierte Fahrräder.

 

Ein Pedelec (von Pedal Electric Cycle) ist ein Fahrrad mit einem unterstützenden Elektromotor, der aber nur einsetzt, wenn getreten wird. Die Geschwindigkeit ist mit 25 km/h begrenzt. In den meisten EU-Ländern darf die Motorenleistung maximal 250 W betragen, in Österreich sind 600 W erlaubt. Für die Nutzung eines Pedelecs gelten ebenfalls die gleichen Regeln wie für Fahrräder ohne Elektromotor.

Ein S-Pedelec (schnelles oder Speed-Pedelec) fährt bis zu 45 km/h, und es bestehen Zulassungs- und Versicherungspflicht (Mopedkennzeichen) sowie Helm- und Führerscheinpflicht.

 

Die Vorteile von Pedelecs

Der deutsche Konsumentenverein ExtraEnergy e. V. befasst sich bereits seit 20 Jahren mit Elektrofahrrädern, setzt sich allgemein für deren Popularisierung ein und macht regelmäßig Tests. ExtraEnergy ist auch Partner des europäischen GoPedelec-Projekts und führt in dessen Rahmen Veranstaltungen für die Öffentlichkeit und für kommunale Entscheidungsträger durch. Im Laufe dieser Veranstaltungen, Gespräche und Workshops haben sich folgende Argumente für den Einsatz von Pedelecs herauskristallisiert:

 

  • Pedelecs lassen sich genauso platzsparend parken wie herkömmliche Fahrräder.
  • Sie bieten die höchste Mobilitätsleistung pro Verkehrsfläche.
  • Sie haben geringe Betriebskosten. Ein Leasingmodell lässt sich bereits mit 40 Euro pro Monat erwerben, wie eine Studie in Salzburg gezeigt hat.
  • Geringe Emissionen (Feinstaub, Abgase), geringe Lärmbelastung
  • Große relative Sicherheit durch geringere Masse und geringere Geschwindigkeit
  • Pedelecs erfüllen die Grundmobilitätsbedürfnisse der meisten Menschen.
  • Pedelecs sind gesundheitsfördernd: Man macht mit ihnen regelmäßig Bewegung, ohne sich dabei zu überlasten. Laut einer WHO-Studie verlängern bereits 30 Minuten leichtes und tägliches Training die Lebenszeit um acht Jahre.
  • Sie haben die höchste Energieeffizienz. Für das Erwärmen von 30 l Wasser für einmal Duschen etwa verbraucht man so viel Energie wie für fast 100 km Pedelecfahren.
  • Der Einsatz von Pedelecs hilft Städten und Regionen, die CO2-Einsparziele zu erreichen. Selbst neue PKW stoßen ca. 150 g CO2pro km aus. Ein Pedelec wie das Gepida Reptila 1000 kommt auf einen CO2-Ausstoß von 11,7 g pro km, davon 3 g für die Stromproduktion (basierend auf dem deutschen Energiemix aus Kohle-, Gas- und Ölkraftwerken). 
  • Pedelecs sind nachhaltig. Theoretisch könnte jeder Mensch auf der Erde mit einem Pedelec fahren, da der geringe Energieverbrauch leicht durch erneuerbare Energien erzeugt werden kann. Ein durchschnittliches Solarmodul auf deutschen Hausdächern produziert auf 0,3 m2Fläche im Jahr die Energie für 5000 km Pedelec-Fahrten.

 

Die Industrie setzt im Moment meist noch auf die Zielgruppe 50+. ExtraEnergy hingegen ist sich sicher, dass das Pedelec für alle Menschen von 12 bis 100 Jahren geeignet ist und schon bald eine sehr breite Anwendung finden wird.

 

Vorurteile

Mit einem Pedelec zu fahren ist unsportlich, weil man sich weniger bewegen muss als mit einem normalen Fahrrad. Dieses Vorurteil ist noch immer recht verbreitet, obwohl die meisten Menschen ganz selbstverständlich Rolltreppen, Waschmaschinen oder Autos benutzen. Stellen Sie sich einmal an eine Stelle, bei der eine Treppe und eine Rolltreppe direkt nebeneinander sind, und zählen Sie den Anteil der Menschen, die die Treppe bzw. die Rolltreppe wählen. Fast alle nutzen die Rolltreppe, nach meinen Zählungen ca. 98 %.  Denn der Mensch ist bequem, und genau da kann das Pedelec seine Stärken ausspielen.

 

Ohne zu schwitzen ins Büro

Mit einem Pedelec verlieren etwa Steigungen ihren Schrecken, und man kann auch ohne zu schwitzen zum Beispiel ins Büro radeln. Hat man ein Pedelec zur Verfügung, wird auch die Versuchung geringer, ins Auto zu steigen. Denn man kann entscheiden, mit wie viel Einsatz von Muskelkraft man ans Ziel kommen möchte. Laut einer Studie der Fachhochschule Frankfurt am Main beträgt bei 50 % aller Befragten die Entfernung zum Arbeitsplatz weniger als 10 km. Das ist eine Distanz, die mit einem Pedelec gut zu bewältigen ist. In der Stadt ist man per Pedelec, vor allem in den Stoßzeiten, oft sogar schneller unterwegs als mit dem Auto.

 

Text von Hannes Neupert, Industriedesigner und 1. Vorsitzender von ExtraEnergy e. V.

 

Tipps für den Kauf von Pedelecs

Citybikes, Touren- und Mountainbikes, Holland-, Lasten-, Liege-, Falt- und sogar sehr sportliche Rennräder: Mittlerweile gibt es eine breite Palette unterschiedlicher Pedelc-Modelle. Radexperte Ing. Heinz Wipplinger verrät, worauf man achten sollte.

 

Kriterium Qualität

Ganz wichtig ist es, auf die Qualität zu achten, und Qualität hat ihren Preis. Wer ein billiges E-Bike kauft, spart am falschen Platz. Für ein qualitativ hochwertiges E-Bike (die Qualität bezieht sich nicht nur auf den Elektroantrieb, sondern auch auf die Fahrradteile) muss man mit einem Preis von 2000 bis 3000 Euro rechnen. Wenn man mit einem Dreigängemodell sein Auskommen findet, bekommt man ein gutes Pedelec bereits ab 1600 Euro. „Durch die Unterstützung des Elektromotors sind drei Gänge wirklich ausreichend, um reichlich Fahrspaß zu haben. Viele Kunden zweifeln jedoch daran und entscheiden sich lieber für ein billiges Modell mit mehr Gängen. Davon kann ich nur abraten!“, so Heinz Wipplinger.

Ein weiteres Problem bei Billigmodellen ist, dass viele Radwerkstätten diese entweder für Reparaturen nicht annehmen oder üppige Preise verlangen; selbst ein Reifentausch kann eine langwierige Werkstattsuche bedeuten. Grund dafür ist, dass diese billigen Bikes leider von Anfang an ihre Macken haben und sich kaum eine Werkstatt darauf einlassen möchte.

 

Kriterium Akku-Reichweite

Beim Akku-Vergleichen muss man unbedingt die aussagekräftigen Wattstunden (Wh) beachten und nicht - wie früher - die Amperestunden (Ah). Die Amperestunden zu vergleichen hat nur Sinn, wenn die Spannung immer gleich ist (wie früher bei den Autobatterien mit 12 Volt). Mittlerweile hat sich der Ah-Wert als Vergleichswert für die Batteriegröße eingebürgert. Pedelecs haben verschiedene Spannungen, daher sind nur die Wh-Angaben aussagekräftig. Die Wh-Angabe bezieht sich auf die Batterie und nicht auf den Motor! Es sagt daher nichts über die Stärke eines Pedelecs aus. Die Angabe bezieht sich rein auf die Kapazität des Akkus, also die Reichweite; sie ist quasi eine Maßeinheit für den „Tankinhalt“.

 

Kriterium Leistung

Im Allgemeinen haben die E-Motoren der Pedelecs eine Leistung von 250 W. Das heißt, ein Akku mit 250 Wattstunden könnte einen Motor eine Stunde lang unter Volllast betreiben. Man ist aber so gut wie immer nur mit einem Teil dieser Leistung unterwegs und daher dementsprechend länger.

Spürbare Leistungsunterschiede ergeben sich aus anderen Auslegungen des Antriebes (Gangübersetzung oder Drehmomentverlauf des Motors) und lassen sich aus den üblichen Werten, die angegeben werden, nicht wirklich ablesen. Am besten macht man eine Probefahrt und achtet vor allem auf die Bergtauglichkeit und Reichweite. Die Reichweiteangaben sind meist sehr relativ, weil sie von der jeweilig gewählten Unterstützungsstufe, vom Gewicht der Bikerin/des Bikers, von der Tour (bergauf/bergab, eben) und natürlich von der Akkugröße abhängen. In der Praxis ergibt sich eine durchschnittliche Reichweite von zumindest 50 km. Es gibt auch schon Akkus mit sehr hohem Energiegehalt, die bei optimalen Bedingungen eine Reichweite von sogar 100 bis 200 km ermöglichen. Umso flotter man jedoch unterwegs ist, umso kürzer die Reichweite.

 

Kriterium Antrieb

Prinzipiell unterscheidet man zwischen (Rad-)Nabenmotor (im Vorder- oder Hinterrad) und Mittelmotor, der die Tretkraft für den Kettenantrieb unterstützt.

Der Mittelmotor ist technisch die feinere Variante; er profitiert von der Schaltung und erleichtert das Anfahren am Berg.

Der Nabenmotor dreht sich immer nur genauso schnell wie das Vorder- oder Hinterrad, in dem er eingebaut ist. Hier hilft die Schaltung nur beim Treten.

In der Praxis ist jedoch dieser Nachteil kaum spürbar, denn der Motor ist stark genug. Effizienter in der Reichweite ist jedoch der Mittelmotor.

Einen weiteren Vorteil des Mittelmotors sieht Heinz Wipplinger auch bei der Wartung. Vorder- und Hinterräder sind Standardware, jeder ausgebildete Fahrradmechaniker kann sie reparieren bzw. austauschen.

Ein Radwechsel bei einem Bike mit Nabenmotor ist eine kleine Herausforderung, da der Motor in der Mitte sitzt und beim Aus- bzw. Einbau kein Kabel beschädigt werden darf. Ein Patschen kann somit eine mühsame Angelegenheit werden, wenn man selber Hand anlegen möchte. Bringt man das Bike in die Werkstatt, schont man zwar die Nerven, billig wird’s jedoch mit Sicherheit nicht.

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