Big Wall Kurs Valle dell Orco

 

Liebe Leserin/lieber Leser!

Ich (Matthias Lampel) wurde gebeten euch zu berichten, wie der nächste Ausbildungskurs des Naturfreunde Alpinkaders gelaufen ist. Begonnen hat Alles optimal mit einer langen, langen Fahrt bei strömenden Regen am Vortag des offiziellen Kursstarts. Von den aus unzähligen Geschichten gerühmten Augengneiswänden mit den sagenumwobenen Rissen sahen wir im „Valle“ angekommen, erstmals nichts. Dafür entdeckten wir sofort eine hervorragende Pizzeria, die offensichtlich Ausgangspunkt für viele Bergkameraden war. Als wir uns mit Bangen umhörten welche Kletterei am folgenden Tag aufgrund der Nässe überhaupt machbar sei, bekamen wir als Antwort in perfektem italienischen Englisch nur: „Tomorrow there will be sun, and then youn can climb everything“.

 

Kurz zusammengefasst, genau so war es dann auch. Nässe, Regen und Kälte waren die nächsten Tage kein Thema. Der Begriff Augengneis wurde schnell ausgetauscht durch Granit und die Suche nach Rissen wurde auch belohnt. In Fingernagel- bis Kopf-Faust-Knie-Rissen versuchte sich die Truppe unter der Anleitung von Babsi Vigl und Timo Moser mal schneller, mal langsamer, mal durch Steckenbleiben gar nicht zum Top zu bewegen. Dazu wurden spezielle Klemmtechniken der Finger, der Hände, der Fäuste, der Schultern, der Füße und Beine erlernt. Insgesamt lässt sich diese Art des Kletterns, mit ihren vielen Verdrehungen und Quetschungen durchaus als besondere Art des Wohlfühlschmerzes beschreiben. Die Bodensturzgefahr wurde mit Klemmgeräten aller Art und Größe vermieden, der eine oder andere Runout konnte bei einem Sortiment von „nur“ drei 6er-Friends pro Seilschaft allerdings manchmal doch nicht ganz vermieden werden. Als Anregung kann man die Fessura Kosterlitz, die Fessura della Disperazione (deutsch: Riss der Verzweiflung), Jedi Master und Totem Bianco empfehlen. Nachdem Granitwände in dieser Welt bekanntlich in ihrem Ausmaß 200 Höhenmeter durchaus überschreiten können, war auch die Logistik in so einer Wand Kernelement der Ausbildung im Valle dell Orco. Zuerst erhielten wir eine kleine Wiederholung bezüglich der Beförderung eines Haulbags, anschließend erlernten wir die Bewegung entlang eines Fixseils mittels Steigklemme und anderer Tricks.

 

Auch kleine Ausflüge ins bereits bekannte Technoklettern führten zu einem abwechslungsreichen Programm. Highlight der vier Tage Big Wall Klettern war definitiv das Verbringen einer Nacht in einem Portaledge, einer beweglichen, zusammenfaltbaren, horizontalen Biwakplattform. Bereits das Aufbauen dieses war sicherlich die größte Herausforderung dieses Kurses. Einmal aufgebaut waren die folgenden Stunden nicht nur eine Suche nach dem inneren Gleichgewicht. Dafür war das Zählen der vielen Sternschnuppen mehrere Meter über dem Boden hängend, eine unglaublich bereichernde Erfahrung. Für eine Überblick abschließend fehlt, denke ich nur noch der Bericht über die kulinarische Begleitung unseres Ausflugs. Gemeinsam wurden Schwammersauce mit Semmelknödel, Gnocchi mit diversen Saucen, Wraps und Risotto aus den Campingkochern gezaubert und bei Plauderei über die nächsten Ziele und Abenteuer verspeist.    

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