Wenn du jemandem in ein bis zwei Sätzen erklären müsstest, was du bei den Naturfreunden machst – wie würde dieser Satz lauten? Auf allen Wegen und Steigen, die durch die Naturfreunde-Landesorganisation Wien und deren Ortsgruppen betreut werden, bin ich für die Koordination der jährlichen Begehungen bzw. Kontrollen zuständig. Auch die Wanderwegeinstandsetzung und der Wanderwegebau fallen in mein Aufgabengebiet.
Wie bist du ursprünglich zu dieser Aufgabe gekommen – war das geplant oder eher Zufall? Schon lange wollte ich Wanderwege betreuen. Bei einem Treffen im Jahr 2014 mit Helmut Frank (ehemaliger Geschäftsführer der Landesorganisation Wien) habe ich das angesprochen. Ein paar Wochen später war ich bereits auf Wanderwegen der Naturfreunde Wien unterwegs, um diese zu betreuen.
Wie reagieren Familie oder Freund*innen auf dein Engagement – verstehen sie, wie viel Arbeit das ist tatsächlich? Die Reaktionen sind durchwegs positiv und manchmal habe ich auch schon tatkräftige Unterstützung von meiner Familie, Freund*innen, Arbeitskolleg*innen usw. erhalten.
Was hat dich persönlich motiviert, Verantwortung für Wege zu übernehmen und dranzubleiben? Unsere Wege und Steige zu erhalten, in der Natur und in den Bergen unterwegs zu sein und dabei immer wieder interessante Menschen kennenzulernen, motiviert mich sehr.
„Die gute Arbeit eines Wegewartes sieht man daran, dass dem Wanderer am Weg nichts auffällt.“
Warum sind gut gewartete Wege aus deiner Sicht so wichtig? Um den Wandernden die Freude an der Benützung der Wege zu erhalten und einen Beitrag zum größten Sportgerät des Landes zu leisten: ein sicheres und komfortables Wegenetz in unseren Bergen.
Was würde passieren, wenn es Menschen wie dich nicht gäbe, die sich ehrenamtlich darum kümmern? Viele Wege und Steige würden unbegehbar werden. Dadurch würden wir langfristig die Zustiege und Wege zu unseren Schutzhütten und auf unsere Lieblingsgipfel verlieren.
Wo liegt für dich die Grenze zwischen Eigenverantwortung der Bergsportler*innen und unserer Verantwortung als Organisation? Wir als NF-Wege-Team bzw. als Organisation bemühen uns, die von uns betreuten Wege und Steige bestmöglich in Schuss zu halten. Wir begehen und kontrollieren sie mindestens einmal jährlich, Instandsetzungen werden schnellstmöglich durchgeführt. Durch Umwelteinflüsse wie z. B. Steinschläge, die Treppen, Leitern u. Ä. jederzeit beschädigen können, müssen alle Bergsportler*innen genügend Eigenverantwortung mitbringen und sich bewusst sein, dass sie in der Natur unterwegs sind, und dementsprechend handeln.
Hast du das Gefühl, dass Nutzer*innen respektvoller oder sorgloser geworden sind? Der Großteil ist absolut respektvoll und bedankt sich, wenn sie uns bei der Wegearbeit treffen, für unsere geleistete Arbeit.
Gibt es einen Moment oder ein Erlebnis, das dir besonders gezeigt hat, wie wichtig deine Arbeit ist?
Da gibt es einige. Anführen kann ich z. B.: die Schotterritsche am Miesleitensteig, die wir durch den Bau von Holzstufen, das Verlegen eines Längsrundlings – ein Baum mit ca. einer Tonne Gewicht, der so platziert wurde, dass er nachkommenden Schotter bestmöglich ableitet – und weitere Umbauten besser begehbar gemacht haben und einen zwei Tonnen schweren Felsblock, der direkt über dem Wanderweg hing und kurz vor dem Abstürzen war, bevor wir ihn im Zuge von Felsräumungsarbeiten bewusst ins Tal „transportiert“ haben.
Welche besonderen Herausforderungen bringt das Hochgebirge mit sich? Mit deinen schweren Gerätschaften arbeitest du ja beispielsweise auch in Gebieten, die für viele schon mit normalen Rucksack schwierig zu erreichen sind. Bei Arbeiten mit langen Anstiegen lernt man sehr schnell, welches Werkzeug oder Material doch nicht so „wichtig“ ist. Hier ist es entscheidend, alles bis ins kleinste Detail zu planen. Es kann schon einmal einen ganzen Tag und mehrere Auf- und Abstiege benötigen, bis eine Baustelle eingerichtet ist und mit der eigentlichen Arbeit begonnen werden kann.
Gibt es Situationen, in denen du bewusst auf Nummer sicher gehst, obwohl es unpopulär ist? Sicherheit geht immer vor – daran ist nichts unpopulär.
Wie sieht ein typischer „Arbeitstag“ für dich aus – und wann wird es besonders fordernd?
Ich plane für unser NF-Wege-Team zu Jahresbeginn jeweils einen Wegetag pro Monat sowie ein oder zwei Wege-Wochen.
Ein Wegetag beginnt für mich um 05:30 Uhr. Um diese Zeit hole ich den NF-Wege-Anhänger ab und fahre anschließend in das jeweilige Arbeitsgebiet. Mittels Fahrgemeinschaften oder öffentlicher Anreise treffen wir uns vor Ort. An solchen Wegen-Tagen oder Wege-Wochen sind wir meist zwischen drei und zehn Personen.
Nach einer kurzen Lagebesprechung teilen wir Werkzeug und Material gleichmäßig auf und beginnen mit dem Aufstieg. Um die Arbeiten bestmöglich abzuschließen, wird nicht selten bis zum Einbruch der Dunkelheit gearbeitet und mit Stirnlampen abgestiegen. Danach folgt die Heimreise und die Rückgabe des Anhängers.
Die Arbeitstage während der Wege-Wochen verlaufen ähnlich. Geschlafen wird bis 07:00 Uhr, danach gibt es Frühstück und Besprechung und anschließend den Abmarsch. Der große Unterschied ist, dass wir meist mehrtägig auf einer „Baustelle“ tätig sind und wir daher uns manchmal auch ohne schwere Bugl-Kraxn ins Tal oder zur Schutzhütte, in der wir übernachten, absteigen können.
Welche Risiken und Verantwortungen trägt man als Wegereferent – rechtlich, organisatorisch, persönlich?
Wenn man nach bestem Wissen und Gewissen arbeitet, hat man als ehrenamtliche*r Wegebetreuer*in rechtlich nichts zu befürchten. Sollten Wegebetreuer*innen aufgrund von Gesetzesänderungen zukünftig leichter rechtlich haftbar gemacht werden können, stirbt meiner Meinung nach die ehrenamtliche Wegebetreuung. Zum Glück geht die Rechtssprechung aber einen anderen Weg: Eigenverantwortung wird immer größer geschrieben.
„Ein Weg ist nie einfach nur ein Weg, er ist Sicherheit, Orientierung und Vertrauen.“
Hat sich die Wegearbeit in den letzten Jahren verändert – etwa durch den Klimawandel, stärkere Nutzung oder neue Sportarten?
Man muss zur Kenntnis nehmen, dass manche Wege oder Steige aufgrund von Starkregen, Erdrutschen oder Felsabbrüchen neu geführt oder in letzter Konsequenz aufgelassen werden müssen. Auch der stärkeren und multimodalen Nutzung ist z. B. durch Einbahnsysteme oder bauliche Trennungen entgegenzuwirken. Solche Überlegungen müssen bereits in der Planungsphase von Instandsetzungen berücksichtigt werden.
Was braucht es aus deiner Sicht, damit ehrenamtliche Arbeit langfristig funktioniert? Durch Zeitungsartikel wie diesen an die Öffentlichkeit zu gehen, ist wichtig. Viele wissen gar nicht, dass die Wegearbeit in alpinen Vereinen ehrenamtlich durchgeführt wird. Wir brauchen immer eine helfende Hand!
Wie erlebst du die Zusammenarbeit innerhalb der Naturfreunde – und was macht uns als Organisation besonders?
Besonders im Wege-Team, mit dem ich vereinsmäßig hauptsächlich unterwegs bin, erlebe ich die Verschiedenheit der einzelnen Personen, die Motivation jeder*jedes Einzelnen, in der Freizeit an „unseren“ Wegen und Steigen zu arbeiten, sowie den starken Zusammenhalt. Viele Erlebnisse und Momente machen das gemeinsame Arbeiten für mich unvergesslich.
Was wünschst du dir für die Zukunft unserer Wege – und für das Ehrenamt insgesamt? Ich wünsche mir, dass die Wege und Steige auch für zukünftige Generationen erhalten bleiben und dem Ehrenamt weiterhin so viel Wertschätzung entgegengebracht wird.
Gibt es etwas, das du heute anders machen würdest, wenn du neu anfangen könntest? Ich würde wieder genau so handeln.
Was war dein persönlich schönster Moment im Ehrenamt? Nach einem langen Tag ist es immer der Blick auf die getane Arbeit.
Was würdest du Personen sagen, die überlegen, sich ehrenamtlich zu engagieren, aber noch zögern? Macht es, probiert es aus! Zu wissen, dass man Teil einer großen ehrenamtlichen Gemeinschaft ist, macht glücklich – und ein bisschen stolz.
„Man gibt Zeit – und bekommt Sinn zurück.“