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Interview mit Filip Worotynski - Vorsitzender

Filip Worotynski wurde am 25. November 2025 zum neuen Vorsitzenden der Naturfreunde Wien gewählt. Im Interview spricht er über Verantwortung, Ehrenamt, seine Liebe zu den Bergen und darüber, wie eine Wanderung auf den Schneeberg alles verändert hat.

Filip, du bist seit dem 25.11.2025 Vorsitzender der Naturfreunde Wien. Was bedeutet diese Aufgabe für dich?

Vor allem viel Verantwortung, gleichzeitig ist es aber auch eine Aufgabe, die ich mit großer Motivation und Teamgeist angehe. Die Naturfreunde Wien sind eine historisch gewachsene und sehr vielfältige Organisation. Unglaublich viele Menschen bringen sich hier mit Zeit, Leidenschaft und meist ehrenamtlich ein. Diese Ideologie weiterzutragen und so unsere gemeinsame Zukunft zu gestalten, ist für mich eine ganz besondere Aufgabe, vor der ich viel Respekt habe.

 

Davor warst du Jugendreferent der Naturfreunde Wien. Was hast du aus dieser Zeit mitgenommen?

Sehr viel. Ich durfte Einblicke in die Vereinsarbeit der Naturfreunde Wien gewinnen, konnte einiges mitgestalten und Angebote für Kinder und Jugendliche in den Vordergrund rücken. Besonders stolz bin ich auf das Projekt des Gletscherwanderweges in Kolm Saigurn, den wir mit zahlreichen Partner*innen erneuert und im Zuge dessen interaktiv für Kinder und Familien gestaltet haben. Vor allem aber habe ich erlebt, welche zentrale Rolle das Ehrenamt spielt. Wege, Hütten und Angebote entstehen nur, weil Menschen (ehrenamtlich) Verantwortung übernehmen und in ihren Bereichen mitgestalten wollen.

 

Du bist in Wien aufgewachsen. Wie prägt dich die Stadt?

Ich fühle mich Wien und seinen vielen Naherholungsgebieten sehr verbunden. Orte wie der Kahlenberg, die Donauinsel oder der Lainzer Tiergarten sind für mich echte Kraftplätze, die auch leicht und schnell nach der Arbeit erreichbar sind, wenn die Zeit für ein ausgedehntes Bergabenteuer gerade nicht reicht. Und auch Wiens Umgebung kann sich sehen lassen – so zum Beispiel das Schneeberg-Rax-Gebiet, wo Wandern, Klettern und Mountainbiken möglich ist.

 

Neben deinem Engagement bei den Naturfreunden bist du auch politisch aktiv.

Ja, ich bin Landtagsabgeordneter und Gemeinderat und setze mich in dieser Funktion für die Interessen aller Wiener*innen ein. Studiert habe ich Unternehmensführung an der FH, was mir auch bei organisatorischen und strategischen Fragen sehr hilft. Für die diversen Erfahrungen, die ich bereits in meinem beruflichen Umfeld machen durfte, bin ich sehr dankbar – sie prägen auch meine heutige Arbeit maßgeblich mit.

Was zeichnet dich persönlich aus?

Meine Motivation, meine Begeisterungsfähigkeit und mein Verantwortungsbewusstsein, bestimmt aber auch der „Zug zum Ziel“ bzw. Zug zum Gipfel. Selbst gesteckte Ziele versuche ich möglichst immer zu erreichen, wenngleich ich natürlich besonders am Berg auch weiß, wann es Zeit ist, umzudrehen. Ich vernetze mich gerne mit Menschen, bin offen für neue Ideen und glaube fest daran, dass gute Lösungen gemeinsam entstehen.

 

Wie hat deine Leidenschaft für die Berge begonnen?

Ganz unspektakulär – mit einer einfachen Wanderung auf den Schneeberg im Herbst. Ich kannte Wandern so nicht, war nicht, wie viele meiner Freund*innen, schon von klein auf mit den Eltern in den Bergen unterwegs gewesen. Als ich gelernt habe, wie viel Kraft mir Natur und Berge geben, war klar: Mit der Besteigung des höchsten Berges Niederösterreichs ist mein Abenteuer noch lange nicht vorbei. So habe ich mir bald darauf das nächste Ziel gesteckt, ich wollte auf den höchsten Berg Österreichs – auf den Großglockner. Gesagt, getan: Nach etwa einem Jahr voll Training, Technik und Theorie habe ich es schließlich über den „Weg der Erstbesteiger“ auf den Gipfel geschafft.

 

Was machst du draußen am liebsten?

Heute bin ich gern auf längeren Touren unterwegs, besonders auf Hochtouren und Mehrseillängenrouten. Mittlerweile bin ich eher Genussmensch als Extremsportler. Es geht mir um Ruhe, Weite und das Gefühl, im Einklang mit der Natur unterwegs zu sein.

 

Hast du einen persönlichen Leitsatz? – würde ich wie oben als Zitat zwischendurch einbauen lassen!

Ja: Natur erleben – im Einklang mit ihr.

 

Gibt es einen Ort, der dir besonders am Herzen liegt?

Außerhalb von Wien ist das für mich ganz klar der Großglockner – ein Berg mit besonderer Bedeutung, den ich mittlerweile bereits mehrere Male besteigen konnte. Jedes Mal war es wie ein Nach-Hause-Kommen für mich.
Ein ganz besonderer Ort ist und bleibt außerdem mein erster 6.000er – der Mera Peak in Nepal. Das war mein bisher emotionalstes Bergerlebnis. An den atemberaubenden Ausblick vom Gipfel, ein Panorama über mehrere 8.000er, werde ich mich ein Leben lang gerne zurückerinnern.

 

Wofür interessierst du dich abseits der Berge?

Ich bin allgemein sehr sportbegeistert und habe mein Leben lang verschiedenste Sportarten ausgeübt. Knapp zehn Jahre lang habe ich Tischtennis als Leistungssport praktiziert, durfte im Jugendkader trainieren und konnte einige Erfolge erzielen. Neben dem Sport interessieren mich wirtschaftliche Themen nach wie vor sehr. Im Rahmen meiner politischen Tätigkeit sind es Stadtentwicklung und internationale Themen, die mich zumeist beschäftigen, während ich in meiner Freizeit am Berg auch Fotografie sehr interessant finde. Und ich liebe gutes Essen, vor allem nach einer langen Tour – wie allgemein bekannt ist, schmeckt‘s da am besten.

 

Zum Abschluss: Gibt es einen Fun Fact über dich?

Ich habe eine schwierige Beziehung zu Sonnencreme. Wenngleich ich sie auch stets brav mitnehme, passiert es nicht selten, dass ich während meiner Touren dann doch nicht so viel Wert auf Sonnenschutz lege – und mittlerweile bekannt dafür bin, nach längeren Touren mit roten Wadln, Ohren oder Nase beim Frühstück aufzutauchen.

 

Deine Botschaft an Mitglieder der Naturfreunde Wien oder all jene, die es noch werden wollen?

Lasst uns gemeinsam die Zukunft unserer Organisation gestalten, unserer Hütten und Wege – und lasst uns vor allem die Natur und die Berge für die kommenden Generationen bewahren, damit sie auch was davon haben. Ich freue mich auf euch.
Berg frei!

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