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Geschichte der Naturfreunde-Wege

Der Weg in die Freiheit

Heute erscheint es selbstverständlich, auf markierten Wanderwegen durch Österreichs Berge zu wandern. Doch das war nicht immer so. Noch vor rund 120 Jahren waren große Teile der Bergwelt für die Bevölkerung nur eingeschränkt zugänglich. Viele Wege führten über Privatgrund, wurden gesperrt oder durften nur mit ausdrücklicher Erlaubnis betreten werden. Der freie Zugang zur Natur war keineswegs selbstverständlich. Genau hier beginnt die Geschichte der Naturfreunde.

 

 

Natur für alle

Als die Naturfreunde Ende des 19. Jahrhunderts gegründet wurden, verfolgten sie ein klares Ziel:

Natur sollte allen Menschen offenstehen – unabhängig von Herkunft, Beruf oder Einkommen.

 

Bereits wenige Jahre nach der Vereinsgründung begannen Naturfreunde-Ortsgruppen damit, Wanderwege anzulegen, bestehende Steige zu markieren und Zugänge zu Naturfreundehäusern zu schaffen. Anfangs unterstützten sie andere alpine Vereine beim Wegebau, bald übernahmen sie jedoch eigene Arbeitsgebiete und entwickelten Schritt für Schritt ein eigenes Wegenetz.

Von Beginn an war Wegearbeit deshalb weit mehr als das Anbringen von Markierungen. Sie war Ausdruck der Überzeugung, dass Erholung, Bewegung und Naturerlebnis keine Privilegien weniger sein dürfen.

 

 

Der Kampf um die Wegefreiheit

Mit dem wachsenden Tourismus verschärften sich Anfang des 20. Jahrhunderts die Konflikte um den Zugang zu den Bergen. Große Wald- und Gebirgsflächen befanden sich im Besitz des Kaiserhauses, adeliger Familien oder großer Grundbesitzer. Immer häufiger wurden Wege gesperrt, um Jagdgebiete oder Forstflächen abzuschirmen.

 

Die Naturfreunde widersetzten sich dieser Entwicklung. Sie dokumentierten Wegsperren, machten Missstände öffentlich und setzten sich gemeinsam mit anderen Organisationen und engagierten Persönlichkeiten für den Erhalt bestehender Wegverbindungen ein. Unter dem Titel „Der verbotene Weg“ berichtete die Vereinszeitung regelmäßig über Fälle, in denen Wandernde am Betreten der Berge gehindert wurden.

 

Aus dieser Bewegung entwickelte sich eine breite öffentliche Diskussion über die Bedeutung der Wegefreiheit – nicht nur für den Tourismus, sondern auch für die Gesellschaft.

 

 

Ein langer Weg zum freien Zugang

Der Einsatz der Naturfreunde trug wesentlich dazu bei, das Bewusstsein für die Bedeutung öffentlicher Wanderwege zu stärken. Zahlreiche Gerichtsverfahren und politische Initiativen machten deutlich, dass Wege nicht beliebig gesperrt werden dürfen, wenn sie seit Jahrzehnten von der Allgemeinheit genutzt werden.

 

Mit dem Ende der Monarchie entspannte sich die Situation vielerorts. Einen wichtigen Meilenstein bildete 1920 das Salzburger Gesetz über die Wegefreiheit im Bergland. Die endgültige rechtliche Absicherung des freien Betretens des Waldes erfolgte schließlich mit dem österreichischen Forstgesetz von 1975.

Damit wurde ein Grundsatz verankert, für den sich die Naturfreunde bereits seit ihrer Gründung eingesetzt hatten: Natur soll für alle Menschen zugänglich sein.

 

 

Verantwortung bis heute

Die Geschichte der Naturfreunde-Wege endet nicht mit einem Gesetz. Auch heute setzen wir uns dafür ein, bestehende Wanderwege zu erhalten, rechtlich abzusichern und langfristig für die Öffentlichkeit zu bewahren.

 

Unsere Wegearbeit verbindet Tradition mit Zukunft. Sie umfasst nicht nur die Pflege und Markierung von Wegen, sondern auch die Zusammenarbeit mit Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern, Gemeinden, Behörden und Tourismusorganisationen. Wo Wegverbindungen gefährdet sind, suchen wir partnerschaftliche Lösungen – und setzen uns dort, wo es notwendig ist, konsequent für ihren Erhalt ein.

 

 

Ein Auftrag, der bleibt

Die Naturfreunde verstehen Wege bis heute als Teil einer lebendigen Kultur des Unterwegsseins. Sie verbinden Landschaften, Menschen und Regionen. Vor allem aber stehen sie für einen Gedanken, der seit über 130 Jahren unverändert gilt: Natur soll allen offenstehen, die ihr mit Respekt begegnen.

 

Die Geschichte der Naturfreunde ist deshalb auch die Geschichte der Wegefreiheit – und dieser Auftrag begleitet uns bis heute.

1920 am Peilstein
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