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Unterwegs am Buchstein und zum Buchsteinhaus

Der Große Buchstein (2224 m) in den Ennstaler Alpen ist von allen Seiten ein eindrucksvoller Gipfel

Eine kantige Felsenburg auf einem massiven Unterbau überragt den Talgrund um satte 1650 m. Manche finden, der eigentliche Berg beginne zu weit oben, aber glücklicherweise gibt es als Stützpunkt das neu gebaute und im Sommer 2010 eröffnete Buchsteinhaus der Naturfreunde (1571 m).

Die rund dreistündige Wanderung von Gstatterboden zum Buchsteinhaus ist schon vom Optischen her ein Erlebnis: Die Nordwände der Hochtor-Gruppe gegenüber zählen zum Tafelsilber der Nördlichen Kalkalpen. Und der Blick aus dem „Häuselfenster“ des Buchsteinhauses sucht seinesgleichen. Wer von der Hütte ein paar Minuten weiter Richtung „Krautgartl“ aufsteigt, genießt eine Aussicht, die das Admonter Becken und die Haller Mauern einschließt und einer Gipfelschau nicht viel nachsteht.

 

Der Gipfel des Großen Buchsteins will auf allen Wegen verdient werden: Selbst der Normalweg (rund 2 Std. ab dem Buchsteinhaus, Schwierigkeitsgrad I) ist nicht mit den Händen in den Hosentaschen zu packen. In der Westschlucht heißt es ein paar Mal, an großen Blöcken zugreifen, ehe man das weite Buchstein-Plateau und dann über Rasen und Felsstufen den Gipfel erreicht. Zu früh oder zu spät im Jahr sollte man nicht unterwegs sein: Wer einmal die langen westseitigen Geröllfelder bei hartem Schnee queren musste, weiß warum.

 

Der Wenger Weg, ein Klettersteig, der stellenweise mit Stahlseilen, Tritten und Klammern versichert ist (Schwierigkeitsgrad 2), führt als etwas anspruchsvollere Abkürzung des Normalweges durch eine schluchtartige Rinne im nördlichen Teil der Westwand. Wegen der Steinschlaggefahr sollte man auf jeden Fall einen Helm tragen.

 

Der Südwandband-Klettersteig der Naturfreunde Steyr ist natürlich jener Renner, der bei Gstatterboden für volle Parkplätze sorgt. Ihn hat kein Designer konzipiert - es ist das gute, alte, nunmehr stahlseilgesicherte Südwandband, das den westlichen Wandteil quert - ein anregender Felsgang mit herrlicher Aussicht, der sich nicht nur in monotonem Karabinerklinken erschöpft (Klettersteig-Schwierigkeit B/C).

 

Der Westgrat, ein beliebter Kletterklassiker der Gesäuse-Pioniere Pfannl und Maischberger, leitet ohne Leerläufe meist über die Gratkante direkt zum Gipfelkreuz - rund 280 Höhenmeter in festem Fels (Schwierigkeitsgrad III).

 

Von den übrigen Anstiegen aus allen Himmelsrichtungen - laut Willi Ends Gesäuse-Führer an die 160 (!) - wird nur eine verschwindende Anzahl begangen. Am ehesten die gut erreichbaren Südwandrouten: Die älteren im IV. und V. Grad und die neueren (z. B. „König Löwenherz“, „Dornröschen“, „Feuerland“) vom VI. und VII. Schwierigkeitsgrad aufwärts erleben jedoch schon allein wegen ihres Schwierigkeitsniveaus keinen großen Andrang.

Vieles wird natürlich nicht zu Unrecht gemieden. Die verlockende Gratüberschreitung vom Kleinen zum Großen Buchstein etwa nimmt sich durch erlesene Brüchigkeit aus dem Rennen. Doch nicht alles ist absolut unlohnend, nur unüblich: Für Exzentriker, die auch einen herzhaften Zustieg in Kauf nehmen, gäbe es etliche Routen mit überwiegend festem Gestein an der Westseite der Admonter Frauenmauer (III) oder den großzügigen Buchstein-Südgrat (III+) mit seinem guten Fels plus jede Menge Einsamkeit. Aber: Bis zu den diversen Einstiegen sind selbst vom Buchsteinhaus aus bis zu zwei Stunden zu veranschlagen …

 

Noch länger und komplizierter wären die Zugänge zu den gewissermaßen „versunkenen“  Routen aus dem Hinterwinkel auf den Plattenkogel, auf die Buchsteinmauer und die St. Gallener Spitze; das gilt auch für die gesamte Nordseite des Buchstein-Stocks über der Buchau. Wer aber seine Bergerlebnisse nicht nur nach eingebohrten Standardseillängen bilanziert sowie Führer zu interpretieren und Routen selbst abzusichern versteht und auch einmal den Faktor Abenteuer einfließen lässt, könnte hier 70, 80 Jahre nach den Erstbegehern beinahe Neuland-Feeling finden.

 

Text von Adi Mokrejs

 

Das neue Buchsteinhaus der Naturfreunde

Da dem 1924 errichteten Holzbau des Buchsteinhauses der Zahn der Zeit gehörig zugesetzt hatte, war ein Neubau notwendig geworden, der nach zweijähriger Bauzeit am 1. Juli 2010 seine Pforten öffnete.

 

Das Buchsteinhaus wurde nach ökologischen Gesichtspunkten in einer Riegelkonstruktion errichtet. Das dafür verwendete hochwertige Holz stammt aus den Bergen im Steyr-Tal.

 

An kühleren Tagen sorgen im großen Gastraum ein gemütlicher Kachelofen und im kleineren ein Schwedenofen für Behaglichkeit. Die Stromversorgung erfolgt über eine 3,2-KW-Photovoltaikanlage. Über vier Solarpaneele wird das in der Hütte benötigte Wasser in zwei 250-l-Boilern auf 60 °C erhitzt.

 

Das Buchsteinhaus ist von Anfang Mai bis Ende Oktober (je nach Schneelage) geöffnet und bietet ganztägig warme Küche; es stehen insgesamt 50 Schlafplätze in Lagern zur Verfügung.

Gegen eine geringe Gebühr können im Buchsteinhaus Helme und Klettersteigsets ausgeborgt werden.

 

Ausgangspunkt: Gstatterboden
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