Text: Marlies Lattner-Czerny, Fotos: Andreas Lattner, hochzweimedia
Im Oktober 2025 trafen sich die sechs Teilnehmer mit ihrem Ausbildner und Bergführer Timo Moser im Anton-Proksch-Haus der Naturfreunde im Salzburger Tennengebirge für das Ausbildungsmodul „Alpin- und Expeditionsmedizin & Erste Hilfe am Berg“, für das ein Special Guest eingeladen wurde: Arzt und Bergführeraspirant Matthias Lampel, ehemaliges Mitglied des Naturfreunde-Alpinkaders. Er bereitete die Gruppe intensiv auf alpine Notfälle vor. Trainiert wurden verschiedene Szenarien: vom Abtransport einer verletzten Person über den Wärmeerhalt bis hin zu praktischen Tipps für Expeditionen. „Wir diskutierten zahlreiche mögliche Notfallszenarien und erstellten einen Notfallplan, den wir hoffentlich nie brauchen werden“, meint Teilnehmer Lukas Kohlbacher.
Nur kurze Zeit davor war das Team des Herren-Alpinkaders zur Verleihung des Paul-Preuss-Preises, der an extreme Bergsteiger*innen sowie Kletterinnen und Kletterer vergeben wird, ins Ausseerland eingeladen. Alpinkader-Mitglied Michael Bräuer nahm an der Podiumsdiskussion zum Thema „Grenzen des Grenzgangs“ teil – u. a. gemeinsam mit dem Schweizer Profialpinisten Dani Arnold sowie der deutschen Extrembergsteigerin Dörte Pietron, Trainerin des DAV-Expeditionskaders. „Mit prominenten Persönlichkeiten auf Augenhöhe zu sprechen war lässig und einmalig“, erzählt Michael Bräuer, der selbst im Sportklettern regelmäßig an seine Grenzen geht. Für ihn ist klar: „Die Kunst besteht darin, mit Vorsicht, Umsicht und Weitblick unterwegs zu sein, die richtige Balance zwischen Risiko und Sicherheit zu halten und respektvoll sowie konzentriert seinen Weg zu gehen. So kann man Ziele erreichen, die Freude und starke Emotionen bringen – ohne aus blinder Willenskraft Gefahren auszublenden.“ Und wenn er doch einmal in eine kritische Situation gerät? „Dann versuche ich, ruhig zu bleiben, tief durchzuatmen, objektiv zu denken, Lösungen zu finden – und auf meine Fähigkeiten zu vertrauen.“ Die Reflexion solcher Momente gehört auch zur Alpinkader-Ausbildung. „Man lernt sein Leben lang nicht aus.“
Lernen – und sich kennenlernen – stand auch beim internationalen Kadertreffen in Arco im Mittelpunkt, zu dem junge Alpinistinnen und Alpinisten aus Italien, Schweiz und Österreich zusammenkamen. Dort wurden beim Klettern nicht nur Knoten ins Seilende, sondern auch viele neue Kontakte geknüpft. Dazu gab es Pizza und spannende Einblicke in die Schnee- und Lawinenkunde, präsentiert von Lukas Rastner vom Lawinenwarndienst Südtirol.
Nun freuen sich die Jungs des Herren-Alpinkaders über den Winter – und auf das Ausbildungsmodul für Eisklettern und Schitourengehen im Jänner 2026 im Nationalpark Hohe Tauern.