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Auf den Spuren der Luchse

Wer Österreichs wilde Mitte erkunden will, ist auf dem Luchs Trail richtig. Der anspruchsvolle 220 km lange Weitwanderweg – von Reichraming bis Lunz am See – belohnt Ausdauer und Anstrengung mit großartigen Naturerlebnissen.

Text und Fotos: Franz Sieghartsleitner, Nationalpark Kalkalpen, Buchautor, Fotos: Lorenz Sieghartsleitner

 

Der Wald in den nördlichen Kalkalpen, besonders zwischen den internationalen Schutzgebieten Nationalpark Kalkalpen, Nationalpark Gesäuse und Wildnisgebiet Dürrenstein hat ein gewaltiges Ausmaß. Obwohl hier die Wälder jahrhundertelang für das Schmelzen des steirischen Eisenerzes zu Eisen herhalten mussten und die gefräßigen Essen der Schmiede Millionen Kubikmeter an Holzkohle verschlangen, haben sich wertvolle Flecken von Urwaldresten erhalten. Hier gibt es auch Schneeheide-Kiefern-Wälder, Fichtenmoor- und märchenhaft anmutende Kluftwälder. In den oberen Regionen sind die Fichten und Lärchen manchmal so zottig wie Bären. Ursächlich für diese Erscheinung sind die Bartflechten. Sie wachsen nur dort, wo die Luft feucht und sauber ist.

 

In dieser grünen Wildnis fühlen sich Luchse besonders wohl. Den grazilen Waldkatzen - wie auch den Steinadlern, Bären oder Bartgeiern -  wurde einst von den adeligen Jagdherren intensiv nachgestellt. Mitte des 19. Jahrhunderts waren sie ausgerottet. Seit etlichen Jahren aber streifen wieder mehrere Luchse durch die Waldwildnis der Kalkalpen. Ausgehend vom Bestandstützungsprojekt Luchs im Nationalpark Kalkalpen wanderten Jungluchse in das Gesäuse und in das Wildnisgebiet Dürrenstein. So wurden die Luchse schnell zum Symbol der Naturraumvernetzung in der wilden und artenreichen Mitte Österreichs.

 

 

Der Luchs Trail

Um das Thema Vernetzung aktiv erlebbar zu machen, haben die Verwaltungen der Nationalparke Kalkalpen und Gesäuse sowie des Wildnisgebietes Dürrenstein in Kooperation mit den alpinen Vereinen und Tourismusverbänden den mittelschweren, 220 km langen Weitwanderweg „Luchs Trail“ eingerichtet, der die drei großen Schutzgebiete miteinander verbindet.

 

In elf Tagesetappen kann man auf gewarteten und beschilderten Wegen durch die herrlichen waldreichen Gebiete wandern, die ein Hotspot der Biodiversität sind. Die erste Etappe führt durch einen von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärten Buchenwald im Nationalpark Kalkalpen. Danach folgen die blütenreichen Almengebiete am Hengstpass, die einsamen Haller Mauern, die beeindruckenden Nordabstürze der Gesäuseberge, die grüne, wildromantische Salza in ihrer selbst gegrabenen Konglomeratschlucht, die Nothklamm mit der einzigartigen Kraushöhle in Gams und das wirtschaftsgeschichtlich interessante Mendlingtal mit Hammerwerk, Triftanlagen, Klausen und Mühlen in Lassing. Die finalen Etappen bieten Panoramablicke in das Alpenvorland, zum Ötscher und zu den Tauern. Vom Dürrensteingipfel verabschiedet man sich mit einem außergewöhnlichen Blick auf das Wildnisgebiet, ehe man an drei Seen vorbei zum Bergsteigerdorf Lunz hinabsteigt.

 

Für den Luchs Trail braucht man eine gute Kondition. Tagesgehzeiten von bis zu acht Stunden, Auf- und Abstiegsleistungen von bis zu 1500 Höhenmetern sowie Wegstrecken von bis zu 25 km erfordern Ausdauer und Fitness.

 

Die Ausgangs- und Zielorte der Trailetappen befinden sich mit Ausnahme der ersten Etappe alle im Tal. Es gibt keine seilversicherten oder ausgesetzten Passagen, die völlige Schwindelfreiheit erfordern. Für die felsigen Abschnitte sind Trittsicherheit und Bergerfahrung unabdingbar.

 

Bei der Planung sollte man darauf achten, dass es bei den Unterkünften in der Hochsaison (Juli, August, September) an manchen Etappenorten zu Kapazitätsengpässen kommen kann.

Abstieg zum Obersee
Buchtipp

Franz Sieghartsleitner

 

Luchs Trail

Durch Österreichs wilde Mitte

144 Seiten mit zahlreichen Fotos, Softcover, Kral-Verlag, ISBN 978-3-99024-879-9, 17,90 €

 

Franz Sieghartsleitner beschreibt in dem neu erschienenen handlichen Wanderführer über den Luchs Trail die elf Tagesetappen im Detail und gibt Tipps für zusätzliche Gipfeltouren und Wegvarianten. Zu jeder Etappe gibt es Höhenprofile und Angaben zu Gehzeiten, Höhenmeter sowie Versorgungs- und Beherbergungsmöglichkeiten. Dem Luchs und den zu durchwandernden Schutzgebieten sind eigene Kapitel gewidmet.

 

Das Buch ist im Buchhandel und in den Besucherzentren des Nationalparks Kalkalpen erhältlich.

 

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