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Saubere Outdoorbekleidung?

Outdoor-Sportarten wie Klettern, Bergsteigen und Wandern liegen voll im Trend. Die passende Ausrüstung ist nahezu ein Muss und wird mit Bildern von Freiheit, Abenteuer und Grenzenlosigkeit vermarktet. Die Werbekampagnen kommen gut an. So tragen auch im städtischen Alltag viele Menschen die angepriesene Funktionsbekleidung. Verschwiegen werden jedoch die Bedingungen, unter denen die oft teuren Kleidungsstücke hergestellt werden. Diese haben mit Freiheit meist nichts zu tun …

„An Tagen mit vielen Aufträgen machen wir Überstunden und arbeiten gelegentlich die Nacht durch“, berichtet eine Arbeiterin eines Zulieferbetriebs für Outdoorbekleidung in China. In vielen Fällen bleibt den Beschäftigten trotz 16-Stunden-Tag nur ein Hungerlohn, und sie können sich und ihre Familien nicht ausreichend ernähren. „Es reicht nur für einige Schüsseln Fleisch oder Gemüse“, klagt ein Arbeiter eines vietnamesischen Produktionsbetriebs.

Die meisten Markenunternehmen der Bekleidungsindustrie lassen ihre Ware in Fabriken in China, Vietnam oder Indonesien herstellen. So nähen beispielsweise chinesische ArbeiterInnen im Auftrag von europäischen und amerikanischen Unternehmen Wanderjacken und -hosen, auch für österreichische KonsumentInnen. Zwar gibt es auch in Produktionsländern wie China oder Vietnam umfangreiche Schutzgesetze für ArbeiterInnen. Doch viele Fabrikmanager achten nicht darauf, und Sanktionen gegen Verstöße bleiben oft aus.

 

Niedrige Löhne – hohe Profite

Firmen lassen ihre Produkte bevorzugt in Ländern herstellen, wo die Arbeitskraft billig ist. Durch die Minimierung der Lohnkosten können höhere Profite erzielt werden. Für die ArbeiterInnen bedeutet das ein Leben in Armut, obwohl menschenrechtlich verankert ist, dass sie einen existenzsichernden Lohn erhalten sollen; doch das wird den meisten Näherinnen und Nähern vorenthalten. Wenn sie sich über ihre Arbeitsverhältnisse beschweren, werden sie bestraft oder entlassen.

Die in Österreich getragene Kleidung wurde also meist von überarbeiteten, unterbezahlten Frauen in schlechtem Gesundheitszustand angefertigt.

Mit 18 Jahren begann Nining Elitos aus Indonesien in einer Bekleidungsfabrik zu arbeiten. Sie musste ihre Familie finanziell unterstützen. Weil sie sich gegen die vorherrschenden miserablen Arbeitsbedingungen zur Wehr setzen wollte, trat sie einer Gewerkschaft bei. Nach ihrem ersten Streik versuchten Fabrikmanager, Sicherheitskräfte und die lokale Mafia, sie einzuschüchtern. Sie gab trotz der Drohungen nicht auf. Nining Elitos engagierte sich weiter und begann, andere ArbeiterInnen zu organisieren. Oft verlor sie deshalb ihre Arbeitsstelle. Heute ist sie Vorsitzende des indonesischen Gewerkschaftsverbandes und kämpft weiter für menschenwürdige Arbeitsbedingungen.

 

Die Clean-Clothes-Kampagne

Die Unterstützung von Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in den Produktionsländern ist einer jener Bereiche, dem sich die Clean-Clothes-Kampagne (CCK) verschrieben hat. Die CCK sieht ihre Aufgabe darin, die Forderungen der NäherInnen nach besseren Arbeitsbedingungen zu unterstützen und die ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse auch in Europa bekannt zu machen. Die Forderungen der CCK, die sich auf die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte stützen, lauten:

  • keine Zwangsarbeit
  • keine Diskriminierung
  • keine Kinderarbeit
  • keine exzessiven Arbeitszeiten
  • Vereinigungsfreiheit und Kollektivvertragsverhandlungen
  • betrieblicher Arbeits- und Gesundheitsschutz
  • festes Beschäftigungsverhältnis
  • Bezahlung eines existenzsichernden Lohns

 

Aktion „Discover Fairness!“

Zentrale Arbeitsfelder der CCK sind vor allem Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung. Im Oktober 2010 fand beispielsweise unter dem Titel „Discover Fairness“ eine österreichweite Aktionswoche statt. Bei Straßenaktionen in Innsbruck, Salzburg, Linz, Graz und Wien forderten AktivistInnen eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Grundlage dieser Protestaktionen war eine Recherche über Arbeitsverhältnisse in vietnamesischen und chinesischen Fabriken. Zusätzlich wurden 18 nationale und internationale Unternehmen befragt, die Outdoorbekleidung produzieren lassen. Erhoben wurde, welche Maßnahmen diese Unternehmen setzen, um in ihren Zulieferbetrieben anerkannte Arbeitsrechtsstandards sicherzustellen. Die Firmen wurden danach in fünf Kategorien eingeteilt: in Gipfelstürmer, Spaziergänger, Einsteiger, Trödler und Verweigerer. Zwei der befragten Unternehmen schafften es in die Kategorie „Gipfelstürmer“, die Schweizer Unternehmen Odlo und Mammut. Insgesamt zeigten sich die Unternehmen der Outdoorbranche transparent. Informationsverweigerer gab es im Gegensatz zu anderen Untersuchungen keine.

Seit dieser Befragung hat sich einiges verändert. Deswegen plant die CCK heuer eine neuerliche Erhebung. Einige Firmen haben mittlerweile ihre sozialen Standards überarbeitet oder sind einer unabhängigen Überprüfungsorganisation wie der Fair Wear Foundation (FWF) beigetreten. Die FWF überprüft Arbeitsbedingungen in Fabriken und erarbeitet Maßnahmen, um diese zu verbessern. Die beitretenden Unternehmen müssen einen Verhaltenskodex unterzeichnen und die darin festgeschriebenen sozialen Standards einhalten. Oberstes Ziel ist eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

 

Viele Menschen unterstützten die Aktion „Discover Fairness!“ und forderten von den Bekleidungsfirmen: „Seid Gipfelstürmer in Sachen Fairness!“ Die Unternehmen nahmen die KonsumentInnen ernst und verstärkten ihr Engagement für eine soziale und nachhaltige Fertigung. Ob die Näherinnen von diesem Trend profitieren werden, wird sich zeigen. Die Branche ist auf jeden Fall in Bewegung!

 

Ride for a Change!

Die CCK beschäftigt sich auch mit Unternehmen wie Burton, Billabong, Rip Curl und Nitro, die Funktionskleidung für Boardersportarten (Snowboarden, Skaten, Surfen) sowie urbane Freizeitkleidung verkaufen. Diese Firmen haben bis dato erst wenig unternommen, um die Arbeitsrechte der NäherInnen in den asiatischen Zulieferbetrieben zu wahren. Im Herbst vergangenen Jahres veröffentlichte die CCK Profile von zehn international agierenden Unternehmen dieser Branche. Keines der untersuchten Unternehmen verpflichtet sich zur Zahlung existenzsichernder Löhne, keines veröffentlicht einen Sozialbericht oder verrät seine Produktionsstandorte; soziale Unternehmensverantwortung ist kein Thema.

Unter dem Motto „Ride for a Change!“ fordert daher die CCK die Einhaltung von Arbeitsrechten in den Zulieferbetrieben von Burton, Billabong und Co. Unterstützt wird die Kampagne unter anderem von Österreichs Snowboardlegende und Unternehmer Sigi Grabner, der meint: „Im Sport gibt es Regeln, die Fairness im Wettbewerb sicherstellen. Regeln gibt es auch in der Wirtschaft. Trotzdem werden weltweit Arbeitsrechte in vielen Fällen nicht eingehalten. Das ist nicht fair gegenüber den Arbeiterinnen und Arbeitern, die unsere Sportbekleidung produzieren.“

 

Weitere Informationen, Petitionen und die Bewertung von Marken findet man im Internet: www.cleanclothes.at.

 

Text: Martin Haselwanter, Clean-Clothes-Kampagne

 

Den kompletten Artikel finden Sie im Naturfreund 3/2012 und in den Downloads zum Downloaden!

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