Text: Iris Erber, Fotos: Andreas Häusler, privat
Agnes, haben die Naturfreunde in deinem Leben schon immer eine Rolle gespielt?
Ja! Ich war schon Mitglied, bevor ich laufen konnte. Mein Papa hat dafür gesorgt, dass ich in der Sporthalle von der Kletterwand bis zu den Turngeräten vieles ausprobieren konnte und jedes Jahr zum Schifahren kam. Die verschiedensten Events und Ausflüge der Ortsgruppe Pasching gehörten zu meiner Kindheit, und in den letzten Jahren habe ich auch verstärkt bei unseren Festen - etwa beim Kinderfasching - mitgearbeitet. In der letzten Funktionsperiode war ich in der Mitgliederverwaltung und als Referentin für Sportklettern tätig. Sportlich bin ich viel beim Wandern, Volleyball und mit zunehmender Begeisterung beim Orientierungslauf dabei. Vor allem im Orientierungslauf habe ich im letzten Jahr eine deutliche persönliche Entwicklung gespürt.
Du bist 2024 mit dem Motto „Bewährtes behalten und gleichzeitig neue Wege gehen“ als neue Vorsitzende angetreten. Was bedeutet das konkret?
Ich möchte traditionsreiche Veranstaltungen erhalten, aber auffrischen. Zum Beispiel: Beim wöchentlichen Vereinsabend gibt es einmal pro Monat kompakt alle Infos, was in unserer Ortsgruppe gerade los ist. Und für das Sommerfest wurden der Zeitplan, das Essen und die Musik geändert. Mein großes Ziel ist es, unsere in den letzten Jahren teilweise ein bisschen eingeschlafene Gemeinschaft wieder aufleben zu lassen und auch neue oder seltener gesehene Mitglieder zum Mitmachen einzuladen.
Wie hast du dein erstes Jahr als Vorsitzende erlebt?
Ich habe mir Zeit gelassen, in die Aufgaben hineinzufinden und den Verein nach außen zu vertreten, und gehe neue Projekte Schritt für Schritt an. Das Management generell macht mir Spaß, und es gibt viele Momente, in denen ich Neues lernen darf. Wenn ich sehe, wie unsere Veranstaltungen anderen Menschen Freude bereiten, weiß ich: Es lohnt sich, so viel Arbeit, Zeit und Energie zu investieren.
Womit hast du nicht gerechnet?
Wie viel Aufwand im Vereinshaus steckt. Ich war immer wieder beeindruckt, wie viele Personen sich hier wie selbstverständlich um alles Mögliche kümmern. Und plötzlich durfte ich mich mit Instandhaltung, Heizung, Trockengeräten, Kanal oder Versicherungen beschäftigen. Dank der Unterstützung meines Teams war bisher aber alles gut zu meistern.
Wie lässt sich das Ehrenamt mit deinem Studium und deinem Job im Krankenhaus vereinbaren?
Da ist Zeitmanagement gefragt! Ich sehe immer das eine als Ausgleich zum anderen. Alles im Leben verläuft in Phasen und Wellen. Im Studium gibt es Prüfungen, aber auch Ferien; im Sport klappen Training und Wettkampf nur gut, wenn man sich dazwischen erholen kann, und so ist es auch im Vereinsleben. Manchmal werden mehr Zeit und Energie investiert, und dann stehen wieder andere Lebensbereiche im Vordergrund. Das gilt für alle, die im Verein aktiv sind: Wir freuen uns über Freiwillige, die Zeit und Lust haben, sich zu engagieren, aber wenn jemand gerade anderweitig eingespannt ist, passt das genauso.
Wie funktioniert das Miteinander der Generationen?
In unserem Vorstandsteam ist die ganze Bandbreite vertreten: von Jugendlichen bis Ü70. Die Generation, die unsere Ortsgruppe aufgebaut hat, wollte Verantwortung und Arbeit abgeben, aber ich kann dennoch auf ihre Unterstützung und Expertise zählen. Wir profitieren vom Wissen der Erfahrenen und vom frischen Wind, den die Neuen mitbringen. Alle halten zusammen und packen mit an. Mir ist besonders wichtig, dass Probleme immer gleich direkt besprochen werden und die Beteiligten das Bestehende wertschätzen, aber auch offen für Neues sind.
Was hast du dir zur Jugendarbeit überlegt?
Die größte Herausforderung sehe ich in der digitalen Mediennutzung der heutigen Kids und Jugendlichen. Mein Ziel ist es, niederschwellige Angebote und Erlebnisse im echten Leben anzubieten, denn: Woran werden wir uns später erinnern? An eine Wanderung, auf der vielleicht etwas Lustiges passiert ist, und an das Gefühl am Gipfel? Oder an drei Stunden Instagram-Scrollen?
Mit Sportarten wie Klettern, Badminton, Volleyball und Orientierungslauf sprechen wir besonders die Jungen an. Und auch für Kinder haben wir im Jahresverlauf viele gemeinschaftliche Aktivitäten geplant – vom Kinderfasching über Eierpecken und Taschenlampenwanderung bis hin zum Lebkuchenhausbauen.
Welche Tipps hast du für engagierte junge Leute, die eine Funktion bei den Naturfreunden übernehmen wollen?
Macht es einfach! So richtig „bereit“ wird man sich nie dafür fühlen, und Learning by doing hat sich für mich immer noch als beste Strategie herausgestellt.
Möchtest du ebenfalls bei der Naturfreundejugend mitarbeiten? Dann melde dich bitte unter irene.raffetseder@naturfreundejugend.at. Wir freuen uns auf dich!