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Fair zur Natur im November

Gesunde Kleidung

 
Wenn du an deine eigene Gesundheit denkst und daran, was du tust, um diese so gut wie möglich in Schuss zu halten, was fällt dir da spontan ein? Gesunde Ernährung? Viel Sport? Eine ausgeglichene Work-Life-Balance? Kerstin Tuder, eine junge Pielachtalerin, hat sich - genau wie wir - mit dieser Frage beschäftigt und stellte rasch fest: Auch mit der richtigen Kleidung kann man seinem Körper etwas Gutes tun! Da es auf diesem Gebiet jedoch bis dato nur wenige Erzeuger und Mode-Designer gibt, die auf gesunde und vor allem moderne Kleidung setzen, hat sie kurzerhand ihr eigenes nachhaltiges, vollbiologisches und vor allem gesundes Modelabel namens „Ecolodge Fashion“ gegründet.

 

Im Prinzip ist es ja recht einfach: Alles, was mit unserem Körper in Verbindung kommt, hat eine gewisse Wirkung auf ihn. Er nimmt Stoffe auf, verteilt sie im Körper, speichert sie oder scheidet sie wieder aus. Wenn wir uns beispielsweise schlecht ernähren, wird der Körper irgendwann einmal darauf reagieren - mit Unwohlsein, Übergewicht bis hin zu Gefäßkrankheiten. Ähnlich verhält es sich mit Schadstoffen, die über die Atemwege in den Körper gelangen. Doch auch über die Haut nehmen wir unzählige Stoffe in uns auf, denn sie ist das größte Organ des menschlichen Körpers. Dass man sich langfristig nichts Gutes tut, wenn man sie permanent in chemisch stark behandelte Kleidungsstücke hüllt, ist klar.

 

Schwermetalle & Co.

Krebserregende Weichmacher, giftige Farbstoffe oder Schwermetalle - sie alle haben auf unserer Haut nichts verloren. Eigentlich. Dennoch werden rund 80 % aller Kleidungsstücke mit diesen Stoffen versehen. Auf Dauer macht das krank. Dass die Kleidungs-Industrie die meisten Textilien nach wie vor mit teils krebserregenden und höchst ungesunden Mitteln „veredelt“, sollte uns zu denken geben.

 

Kerstin Tuder, Gründerin des nachhaltigen Bio-Modelabels „Ecolodge Fashion“ wollte das nicht länger hinnehmen. „Beim Essen achtet man ja auch genau darauf, dass keine gesundheitsschädlichen Stoffe darin enthalten sind. Warum also bei der eigenen Kleidung wegschauen?“, so ihr Credo. Gemeinsam mit ihrer Schwester Denise und ihrer guten Freundin Babsi hat die junge Frankenfelserin im Mai dieses Jahres damit begonnen, gesunde und vor allem stylische Mode zu produzieren. Und das mit Erfolg, denn die meisten Leute, die einmal ein Shirt aus weicher Bio-Baumwolle oder Bambus getragen haben, wollen meist nichts anderes mehr. Was auch vielen gefällt: auf den ersten Blick merkt man gar nicht, dass es sich dabei um biologische Kleidung handelt - will heißen: Bio-Kleidung hat ihr kratziges Leinensack-Image nun endlich abgelegt.

 

Gesunde Kleidung Made im Mostviertel

Die drei Mädels beziehen ihre Roh-Textilien ausschließlich über Erzeuger, die von der Fair Wear Foundation bzw. dem GOTS-Zertifikat kontrolliert werden und zu 100% biologisch, fair gehandelt und frei von gesundheitsgefährdenden Stoffen sind. Aufgrund der strengen Auflagen und Kontrollen dieser beiden Instanzen wird der Qualitäts-Standard solcher Textilien weltweit garantiert. Das Meiste wird bei Ecolodge jedoch am Liebsten selbst gemacht, beziehungsweise wird es wenn möglich in der Nähe erzeugt. „Unsere Neckwarmer lassen wir zum Beispiel in Kilb produzieren, all unsere Werbematerialien stellen wir aus Upcycling-Materialien selbst her und unsere Hauben und Schals färben wir sowieso per Hand!“ erklärt Kerstin stolz. Und sollte die Auflage aufgrund der steigenden Nachfrage plötzlich rapide steigen, werden die Ecolodge-Mädels ihre „Handmade“-Produkte künftig in Kooperation mit der Kattunfabrik St. Pölten oder ähnlichen gemeinnützigen Institutionen erzeugen. Man muss sich nur zu helfen wissen, denn Möglichkeiten, auch als Unternehmen ethisch korrekt zu handeln, gibt es immer.

 

Und weil das Konzept der drei Pielachtalerinnen gar so gut anläuft, interessieren sich mittlerweile auch andere Unternehmen für ihre biologische und fair produzierte Kleidung. „Die Gemeinde Rabenstein an der Pielach hat jetzt zum Beispiel T-Shirts für ihre Mitarbeiter und für Werbe-Zwecke über uns produzieren lassen. Als Klimabündnis-Gemeinde ist das natürlich sehr vorbildlich!“ erzählt Kerstin.

 

Viel teurer als „normale“ Shirts sind Bio-Textilien übrigens nicht. Und wer weiß: Vielleicht werden die Textil-Erzeuger auch irgendwann einmal auf gesunde Produkte zurückgreifen. Es wäre ein wichtiger Schritt in eine sehr richtige Richtung - doch wie immer entscheidet auch hier der Konsument. In diesem Sinne: Überlege genau, was auf deine Haut kommen soll!

 

 


 

Giftstoffe in herkömmlicher Kleidung und ihre Auswirkungen

  1. Alkylphenole

Unter der Abkürzung NPE oder NPEO verbirgt sich ein wasserlöslicher Stoff, der in der Textilindustrie bei Reinigungs- und Färbeprozessen Anwendung findet. Kommen Alkylphenole mit der Haut in Kontakt, reichern sie sich im Körper an und können Schäden an den weißen Blutkörperchen verursachen. Seit 2003 sind Alkylphenole innerhalb der EU in der Textilherstellung nicht mehr zugelassen, jedoch gelangen diese Giftstoffe über importierte Textilien nach wie vor in den EU-Raum und somit auf unsere Haut.

 

2. Weichmacher / Phtalate

Phtalate kommen in der Textilindustrie vor allem in Kunstleder, Gummi und gefärbten Textilien zum Einsatz. Sie wirken fortpflanzungsschädigend und es besteht der Verdacht, dass sie vor allem bei Männern Übergewicht und Diabetes hervorrufen können. Forscher von der University of Michigan School of Public Health und der Medical School in Boston kamen ausserdem zum Schluss, dass Phthalate einen Risikofaktor für Frühgeburten darstellen.

 

3. Farbstoffe

Laut einer Studie des Umweltinstitutes EPEA sind nur 16 von rund 1.600 Farben, die in der Textilindustrie zum Einsatz kommen, gesundheitlich unbedenklich. Viele dieser Farbstoffe setzen aromatische Amine frei, die Krebs verusachen können.

 

4. Tenside

Perfluorierte Tenside (PFC) sind weit verbreitet und werden verwendet, um Textil- oder Lederprodukte wasser- und schmutzabweisend zu machen. Somit sind sie unter anderem in Outdoor- oder Schwimmbekleidung zu finden. Tenside stehen ebenfalls im Verdacht, Krebs auszulösen.

 

5. Zinnorganische Verbindungen / Tributylzinn

Diese sind vorwiegend in Sportbekleidung, Socken und Schuhen zu finden, da sie vor allem Geruchsbildung verhindern sollen. Zinnorganische Verbindungen können das Immunsystem schwächen und im schlimmsten Fall das Nervensystem angreifen.

 

6. Aldehyde / Formaldehyd

Diese sollen Kleidungsstücke knitterfrei machen. Aldehyde sind eine der wenigen Chemikalien, die auf dem Etikett angeführt werden müssen, sofern ihr Grenzwert überschritten wird. Die WHO hat Aldehyde als krebserregend eingestuft, nachdem zahlreiche Textilindustrie-Arbeiter an Tumoren des Nasen- und Rachenraumes erkrankt sind.

 

7. Blei, Cadmium & Quecksilber

Diese Stoffe finden sich vor allem in Färbemitteln wieder. Sie reichern sich im Körper an und können unter anderem das Nervensystem und die Nieren schädigen, sowie Allergien auslösen.

 


 

 

Links zum Thema:

www.ecolodge-fashion.com

http://www.global-standard.org/de/

https://www.fairwear.org

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