Text: Mag. Gerhard Hohenwarter, Meteorologe der GeoSphere Austria, Regionalstelle in Kärnten
Bei alpinen Notfällen im Sommer ist häufig von einem „plötzlichen und unerwarteten Wetterumschwung“ die Rede. Aus meteorologischer Sicht gibt es diesen jedoch nur selten. In den meisten Fällen werden Wetteränderungen rechtzeitig erkannt und auch entsprechend vorhergesagt.
Doch welches Wetter überrascht uns in den Bergen überhaupt? Im Sommer ist es meist das Gewitter. Bei genauer Vorbereitung und aufmerksamer Beobachtung ist die Gefahr, davon überrascht zu werden, allerdings relativ gering. An Tagen mit erhöhter Gewitterneigung sind die Hinweise in den Bergwetterberichten meist eindeutig: „Im Laufe des Nachmittags steigt die Gefahr von Regenschauern und lokalen Wärmegewittern.“ Solche Formulierungen sind im Sommer keine Seltenheit. Sie bedeuten nicht automatisch, dass eine geplante Tour abgesagt werden muss – sie geben aber einen wichtigen Hinweis auf den typischen Tagesgang der Gewittertätigkeit.
Gewitter treten im Sommerhalbjahr – etwa von April bis September – bevorzugt am Nachmittag auf. Durch die Sonneneinstrahlung erwärmt sich die Atmosphäre, die Temperaturunterschiede nehmen zu, und bei passenden Feuchte- und Windverhältnissen entstehen Gewitterwolken.
Diese sogenannten Wärmegewitter entwickeln sich meist während des mittleren oder späten Nachmittags. Für die Tourenplanung bedeutet das: früh starten und rechtzeitig wieder im Tal oder an einem sicheren Ort sein.
Wer am Berg unterwegs ist, sollte regelmäßig den Himmel beobachten. Türmen sich die Wolken auf oder fallen sie wieder zusammen? Wie schnell wachsen sie und wie hoch reichen sie?
Damit sich im Hochsommer ein Regenschauer bildet, muss eine Quellwolke rund 6000 Meter hoch werden. Für ein Gewitter muss der Wolkenturm bis in eine Höhe von etwa 9000 bis 10.000 Metern wachsen. Die Entstehung eines solchen Gewitterturms ist kaum zu übersehen – vorausgesetzt, man wirft regelmäßig einen Blick zum Himmel. Allerdings kann die Entwicklung schnell gehen: Im Extremfall vergehen von der harmlosen Quellwolke bis zum ausgewachsenen Gewitter nur rund 45 Minuten. An solchen Tagen weisen jedoch meist die Bergwetterberichte oder Wetter-Apps auf eine erhöhte Gewitterneigung am Nachmittag hin.
Neben den lokalen Wärmegewittern gibt es eine Gewitterart, die in den Bergen oft noch unangenehmer ist: Frontgewitter. Sie entstehen, wenn im Sommer eine Kaltfront durchzieht. Diese bringt meist kräftige Regenschauer und häufig auch Gewitter mit sich. Im Gegensatz zu Wärmegewittern sind Frontgewitter nicht an eine Tageszeit gebunden. Trifft die Kaltfront am Vormittag ein, kann es bereits am Vormittag blitzen und donnern. Viele Bergsportler*innen gehen jedoch davon aus, dass Gewitter grundsätzlich erst am Nachmittag auftreten. Genau hier liegt die Gefahr. Kaltfronten werden deshalb in Bergwetterberichten in der Regel ausdrücklich erwähnt.
Frontgewitter treten zudem oft entlang einer ganzen Wetterfront auf und erfassen größere Gebiete. Da sich Kaltfronten mit einer Geschwindigkeit von über 40 km/h verlagern können, kann sich das Wetter rasch ändern. Solche Entwicklungen lassen sich jedoch in der Regel gut prognostizieren. Bevor man in die Berge geht, sollten daher die Wettervorhersagen unbedingt beachtet werden.
Wer sich vor einer Wanderung oder Bergtour intensiv mit dem Wetter beschäftigt, Bergwetterberichte liest, Wetteranimationen studiert und unterwegs den Himmel im Auge behält, kann das Risiko deutlich reduzieren, von einem Gewitter überrascht zu werden.
Kommt man dennoch in die unangenehme Situation, in ein Gewitter zu geraten, helfen einige Grundregeln:
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