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Fair zur Natur im Juni

Agrarwende von unten!
 
Massentierhaltung, giftige Pestizide, Gentechnik, Monokulturen und sterbende Artenvielfalt. Einverstanden ist damit zwar keiner so recht, dennoch basiert unser derzeitiges Konsumverhalten auf genau diesen Eckpfeilern. Die daraus resultierenden Konsequenzen für Konsumenten wie für Produzenten sind weitreichend negativ, unternommen wird dagegen jedoch kaum etwas. Oder etwa doch?

 

Innerhalb der Landwirtschaft gibt es einige Bereiche, die schon längst von Grund auf überdacht werden sollten, sei es nun die Massentierhaltung, die Sache mit dem Glyphosat, oder auch die Gentechnik. Zahlreiche Bürger-Initiativen machen zwar immer wieder darauf aufmerksam, aber bisher ist die Politik noch nicht in der Lage gewesen, die Landwirtschaft fairer, nachhaltiger, ökologischer und auch humaner zu gestalten. Warum auch? Der Druck der Öffentlichkeit war bis dato noch nicht groß genug, um das bestehende System zu ändern. Und von alleine und ganz ohne Unterstützung schaffen es viele landwirtschaftliche Betriebe nicht, aus diesem ungesunden Kreislauf auszubrechen.

 

 

Alles im (Über-)Fluss?

Wir sind es gewohnt, dass uns Lebensmittel im Überfluss und zu günstigen Preisen zur Verfügung stehen. Wie es sein kann, dass im Supermarkt ein halbes Kilogramm Fleisch weniger als 2 Euro kostet, fragen wir uns zwar schon, aber andererseits sparen wir aber auch ziemlich gerne. Dass dadurch letztendlich nur die großen Agrar-Konzerne profitieren, liegt auf der Hand. Kein Wunder also, dass sich zahlreiche klein- und mittelständische Landwirtschaftsbetriebe kaum über Wasser halten können. Das ist natürlich bitter, aber irgendwo müssen Abstiche gemacht werden. Faire und gesunde Bio-Lebensmittel aus dem Supermarkt vom glücklichen, regionalen Kleinbauern zu günstigen Preisen - das funktioniert in diesem System einfach nicht.

 

 

Es geht auch anders

Dennoch haben wir die Möglichkeit, aus den bestehenden Strukturen etwas nachhaltigeres und sinnvolleres zu schaffen, ohne auf komplizierte politische Entscheidungen warten zu müssen. Ob durch Erzeugergemeinschaften, Selbsternteprojekte, Urban Gardening oder landwirtschaftliche Investitionsgemeinschaften - mittlerweile gibt es zahlreiche Möglichkeiten für Konsumenten wie für Produzenten, zu einer Agrarwende von unten beizutragen, die gerade auch das Überleben von kleinen und regionalen Betrieben sichern kann.

 

 

SoLaWi & CSA

CSA steht für Community Supported Agriculture und für eine solidarische Landwirtschaft (SoLaWi), die die Existenz der ProduzentInnen sichert. Konkret handelt es sich dabei um einen Zusammenschluss von landwirtschaftlichen Betrieben oder Gärtnereien mit einer Gruppe privater Haushalte. Bei der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) werden Lebensmittel nicht mehr über den Handel vertrieben, sondern fließen in einen eigenen kleinen Wirtschaftskreislauf, der von einer Gemeinschaft von Verbrauchern mit organisiert und finanziert werden kann. Diese Gemeinschaft unterstützt den/die betreibenden Bauern, indem die Verbraucher garantieren, regelmäßig Produkte aus dieser CSA zu kaufen. Außerdem können die Verbraucher regelmäßig auf dem jeweiligen Bauernhof mitarbeiten. Dafür erhalten sie dann jede Woche eine Kiste mit frischem Gemüse und anderen Produkten aus ihrer Landwirtschaft. Die erste CSA in Österreich entstand im Jahr 2011.

 

 

FoodCoop

Eine weitere Möglichkeit, faire und nachhaltige Produkte im kleinen Rahmen sinnvoll aufzuteilen, sind FoodCoops (Food Cooperative). Im Gegensatz zu CSAs sind FoodCoops nicht gewinnorientiert. Es handelt sich dabei um eine selbstverwaltende Gemeinschaft. Die Idee dahinter ist, dass eine Gruppe von Menschen (FoodCoop) gemeinsam große Mengen Lebensmittel direkt von den Erzeugern bezieht. Durch den direkten Bezug wird nicht nur der Umsatz des jeweiligen landwirtschaftlichen Betriebes gefördert - als Mitglied einer FoodCoop kann man dadurch meist preiswerter als im Einzelhandel einkaufen. In Österreich existieren derzeit ca. 80 FoodCoop-Initiativen.

 

 

Ernährungsrat

In noch recht unbekanntes Projekt in Sachen alternativer und gesunder Lebensmittelbeschaffung sind Ernährungsräte. Ihr Ziel ist es, die Lebensmittelversorgung und Ernährungspolitik zurück in die Verantwortung der Gemeinden zu bringen, denn was wir essen, wird heute meist von der internationalen Lebensmittelindustrie und des Handels bestimmt. Gemeinsam soll die Ernährungssouveränität zurückgewonnen werden. Der Fokus kann auf der regionalen Essensversorgung in Schulküchen, der Gründung eines Dorfladens, der Anlage von Naschgärten in Kindergärten oder etwa der Förderung regionaler Vermarktungsinitiativen liegen. Auch hier wird eng mit den ansässigen Betrieben zusammengearbeitet, die davon profitieren. In Pennewang in Oberösterreich wurde der erste Ernährungsrat Österreichs gegründet. Wer möchte, kann innerhalb der Heimatgemeinde auch jederzeit selbst aktiv werden.

 

 

Regionalität fördern

Vielleicht liegt in Projekten wie diesen tatsächlich die Zukunft - es wäre zumindest wünschenswert. Denn indem wir kleine landwirtschaftliche Betriebe unterstützen, sichern wir langfristig die Qualität der Lebensmittel, die wir täglich konsumieren.

 

 

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