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Klettern in Istrien

Neue Wände bei Buzet: Früher gab es über ganz Istrien verteilt etliche kleine Klettergebiete, die jedes für sich zwar sehr nett waren, aber nur in Summe einen mehr als einwöchigen Felsurlaub füllten. Dank neuer Klettergebiete bei Buzet hat man nun wesentlich mehr Möglichkeiten. Rund um Buzet findet sich nämlich feinster Kalk in Hülle und Fülle. Die Erschließung der Felsriegel und Höhlen ist noch in vollem Gange.

 

Seit meiner Bergführerausbildung Anfang der 1990er-Jahre hatte ich Leo Baumgartner nicht mehr gesehen. Erst bei den Dreharbeiten am Dachstein für einen Werbespot vor ein paar Jahren traf ich ihn wieder. Leo ist ins Filmgeschäft gewechselt. Location Check, Vorbereiten der Drehorte und Sicherheit am Set sind seine Jobs. Nach dem Dreh zeigte mir Leo ein paar Fotos einer Wand bei Buzet in Istrien, die er bei der Suche nach einem Drehort für die Verfilmung von Patrick Süskinds „Das Parfüm“ gefunden hatte. Die Bilder sahen vielversprechend aus, daher machte ich mich mit Leo auf nach Istrien.

 

Mit der Wand oberhalb des kleinen Weilers Kompanj haben Leo und seine Freunde schon ein echtes Sahnestückchen eingerichtet. Beasty Queen (7a+), Trüffelschwein (7a), Charles (6b), Therapie (5c), Shit Winter (6b+), Grappa Quelle (6c+) und Realitätsverlust (8a) sind einige der Routen, die Leo mit diversen Kletterkumpels in die Wand gelegt haben. Mir fällt gleich die kleine Höhle im rechten Bereich der Wand auf, und da beginne ich auch mit dem Einbohren von Routen: Grenouille und Der Berg ruft.

 

Kompanj ist ein rund 1,5 km breiter Wandgürtel aus perfektem Kalk mit verschiedenen Sektoren. Hier gibt es Platten, leicht überhängend bis richtig steil, Leisten, Löcher und Sinter. Die Wand ist nach Süden ausgerichtet, mit einem schönen Blick über die alten Steinhäuser von Kompanj hinaus in die istrische Hügellandschaft. Bei ganz klarer Sicht kann man von der Olymp-Höhle sogar das Meer sehen.

 

Die Reisen nach Buzet und ins nahe Roč wurden immer mehr. Bald gab es genug Routen und Projekte, sodass auch Freunde wie Markus Bock mitkamen; er bohrte mehrere Routen in Pandora und in Kompanj ein: zum Beispiel Rubi Silence (8c/8c+), Marmots at work (8a+/b) und Es ist vollbracht (8b). Der Niederländer Jorg Verhoeven bohrte die Route Blob (8c), die ihren Namen von den abgefahrenen Sinterbeulen hat, an denen man sich nach außen arbeitet.

 

Eines ist klar: Bei so viel Fels rund um Buzet werden noch einige Fahrten nach Istrien folgen. Und dass unsere Begeisterung vor allem dem steilen Felsen gilt, heißt nicht, dass es nicht auch genug leichte Routen gibt. Den guten Fels aber erst dann, wenn man sich selbst auf die Reise macht!


 

Buzetski Kanjon

Entlang der von der Mirna erodierten Schlucht südöstlich von Buzet finden sich 93 Routen von 6a bis 8c in fünf verschiedenen Sektoren. Geklettert wird hier schon seit zehn Jahren, doch die meisten Routen und Sektoren wurden erst in letzter Zeit erschlossen; die Gebiete bei Pengari (Đoser und Pengari) anlässlich eines „Bolting-Weekends“, für das Kletterer und der Tourismusverband Geld zusammenlegten, um die nötigen Bohrhaken zu bezahlen.

Zugang: Von Buzet der Straße nach Rijeka folgen; bei der OMV-Tankstelle rechts abzweigen und an der Brauerei („Istarska pivovara“) vorbei Richtung Fluss. Auf einer Brücke über die Mirna, direkt hinter der Brücke links ab auf der Schotterstraße, die parallel zur Mirna verläuft. Dieser etwa 1,5 km folgen und kurz vor der kleinen Schlucht rechts parken; von hier zu Fuß weiter. Kurz nach der ersten Brücke über den Bach ist rechts der Sektor Đoser zu sehen. Weiter zur zweiten Brücke gehen, danach dem Bach folgen; nach etwa 100 m führt rechts ein Weg zum Sektor Pengari (einige fixierte Seile helfen beim Aufstieg).

Die besten Routen: Elio Pisak ruke stisak (6b+), Non habemus papam (7b+), Skitalica (7c+), Too late (8a)

 

 

Kompanj

An dem langgezogenen Felsriegel über der kleinen Ortschaft Kompanj (genauer: über dem kleinen Weiler Klobasi) erwarten einen derzeit 87 Routen von 5c bis 8c. Die nach Südwesten ausgerichtete Wand ist ideal im Herbst, Winter und Frühling. Die Routen sind perfekt eingebohrt, der Fels ist meist senkrecht bis leicht überhängend, im Sektor Olymp Cave aber richtig steil. Derzeit gibt es fünf verschiedene Sektoren, die Erschließung ist noch im Gang.

Achtung: Nur auf dem ausgewiesenen offiziellen Parkplatz gleich hinter der Abzweigung nach Klobasi parken!

Zustieg zum Fels: Von Roč auf einer schmalen Straße Richtung Kompanj fahren. In einer Senke zweigt das Sträßchen links nach Klobasi ab. Direkt nach der Abzweigung ist rechts ein geschotterter Parkplatz - hier parken. Direkt links vom Parkplatz dem Weg bergauf folgen, an Holzsitzgruppe links vorbei. An kleinem, müllgefülltem Gully entlang, dann über einen steinigen Hang sich rechts haltend aufwärts (ein Steinmann) bis zum Fahrweg; rechts unterhalb stehen ein paar Hausruinen. Dem Fahrweg 70 m nach links folgen, dann rechts auf einem kleinen Weg bergauf, erst gerade, dann sich links haltend an Weinreben vorbei, bis auf besseren Weg, der rechts aufwärts zieht. Diesem folgen, einmal einen größeren Weg gerade überqueren, immer rechts aufwärts bis unter die Wand. Hier auf Trittspur scharf links ab. Nach rund 80 bis 100 m kommt der Sektor Krankenhaus. Links davon ist ein neuerer kleiner Sektor mit drei kurzen Routen (6b bis 6c+); weiter links zu den Sektoren Hund und Trüffelschwein.

Die besten Routen: Therapie (5c), Karo Ass (6a); Krankenhaus (6c+), Asylantin (7a), Pilates line (7b+), Der Berg ruft (8b).

 

Sopot/Pandora

Hardcore-Gebiet mit 27 Routen von 6a bis 8c, überwiegend aber siebter und achter Franzosengrad; fantastische Kletterei an extrem steilen Sinterrouten - Ausdauer ist gefragt. Parkmöglichkeiten und Platz unter der Wand sind stark begrenzt. Nach starken Regenfällen können die Sinter länger nass sein.

Zufahrt: Von Buzet beim Supermarkt der Straße nach Strana folgen (beschildert). Entweder unter der Wand parken oder oberhalb auf der Wiese und von dort über einen kleinen Klettersteig zur Wand.

Die besten Routen: Avatar (8b), Toruk Makto (8b), 90 days (8b)

 

Kamena Vrata

Neues Gebiet im Tal der Mirna und direkt an der Straße nach Motovun, nur 2 km westlich von Buzet. Die Routen wurden von Kletterern aus Buzet mit Unterstützung des Tourismusbüros eingerichtet und eignen sich besonders für EinsteigerInnen und Familien. Derzeit gibt es 21 Routen von 4a bis 7a+ mit deutlichem Schwerpunkt im vierten und fünften Grad, mehr sind geplant. Ebenfalls angedacht ist eine Beleuchtung bei Nacht, sodass Klettern im Flutlicht möglich wird. Südlich ausgerichtet und sehr sonnig. Sehr kurzer Zustieg, aber natürlich hört man die Straße (auf der außerhalb der Sommersaison nicht allzu viele Autos fahren).

 

Text: Gerhard Hörhager und Boris Cujic, Fotos: Luka Tambaca, Klaus Kranebitter

Route Beasty Queen (7a) in Kompanj
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Istrien ist schon seit mehr als hundert Jahren ein beliebtes Touristenziel mit angenehmem Mittelmeerklima. Nur im Winter kann die Bora, ein kalter Fallwind, gelegentlich sehr ungemütlich werden.

Seit 1. Juli 2013 gehört Kroatien zwar zur EU, gezahlt wird aber immer noch in Kuna; Für einen Euro bekommt man rund 7,5 Kuna. Als Urlaubsziel ist Istrien deutlich günstiger als Italien oder Frankreich.

In Slowenien, das man bei der Anreise mehr oder weniger kurz durchquert, besteht auf Autobahnen Vignettenpflicht.

 

Unterkünfte in und um Buzet: www.tz-buzet.hr

Unterkünfte in Roč: In Roč gibt es ein nettes kleines Hostel: Roč, 8/1; Tel.: +385/917 34 57 34. Ebenfalls sehr zu empfehlen sind die Appartements von Dolores Zornada; hier bekommt man auch aktuelle Routeninfos: http://apartmanidolores.com. Sonja Fabris vermietet Ferienwohnungen: fam_fabris@net.hr.

Camping: Kleiner Campingplatz für Wohnmobile in Motovun: Trg. A. Antico, 52424 Motovun, Tel.: +385/52 68 16 07

 

Unterkünfte in Novigrad: Wer Baden und Klettern verbinden möchte, kann in Novigrad an der Küste eine Unterkunft beziehen (z. B. Camping Sirena). Hier gibt es auch viele Appartements zu mieten. Die Fahrt durchs Mirna-Tal nach Buzet dauert rund 30 Minuten und ist nicht sonderlich kurvig.

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