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Von Wien bis Afrika

Die Geschichte der Naturfreunde ist eine vielschichtige und faszinierende. Und sie ist eine internationale Geschichte. Seit einigen Jahren fasst die Naturfreunde-Bewegung auch in verschiedenen Ländern Afrikas Fuß.

Die Not und das Elend in einem großen Teil der Bevölkerung in Wien und auch auf dem Land in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren im Vergleich zu heute unvorstellbar groß. Und just in diese Zeit fiel die Gründung der Naturfreunde. Handwerker, Facharbeiter, und gut gebildete Vertreter der Arbeiterklasse, wie der Fachlehrer Georg Schmiedl und der spätere Staatskanzler der Ersten Republik Karl Renner, hatten das Ziel, mit der Gründung der Naturfreunde den Schwächsten und Ärmsten der Gesellschaft einen Sinn zu geben und einen wirkungsvollen Beitrag zur Verbesserung der katastrophalen Lebensbedingungen der Menschen zu leisten.

 

Eine Vielzahl von Aktivitäten

Und genau dieses Ziel verfolgen jetzt, 120 Jahre nach der Gründung der Naturfreunde in Wien, die afrikanischen Naturfreunde-Gruppen ASAN Senegal und CASE Togo sowie fünf neue Partnerorganisationen. Sie kämpfen gegen die weitverbreitete Armut und greifen zur Selbsthilfe.

 

In Togo zum Beispiel wurden Modelle für eine nachhaltige Fischzucht in Dorfgemeinschaften aufgebaut, die für Nahrung und ein zusätzliches Einkommen sorgen. Die Schwerpunkte in Senegal und Togo liegen im Bereich der Umweltbildung, vor allem für die Jugend, sowie bei der Wiederaufforstung und im Kampf gegen die zunehmende Wüstenbildung. Letzteres spielt im erosionsgefährdeten Senegal eine große Rolle. Auch die Partnerorganisation in Algerien setzt auf konkrete Naturschutzarbeit und Umweltbildung im schulischen Bereich. Im Rahmen von internationalen Workcamps werden Haine mit Dattelpalmen und Obstbäumen, die unter der fortschreitenden Wüstenbildung gelitten haben, gepflegt und neu angelegt. In Kamerun liegt der Schwerpunkt von Save Africa, einer sehr jungen Organisation, im Aufbau einer dörflichen Landwirtschaft im Einklang mit der Natur. Kahlschlag und Brandrodung gefährden auch in Kamerun große Gebiete, sogar die Nationalparks des Landes. In Mali arbeiten die von Lehrerinnen und Lehrern gegründeten Amis de la Nature an Naturschutzprojekten und an der Alphabetisierung. Die Friends of Nature Gambia konzentrieren sich auf die Umweltbildung. Sie meinen, dass man die aus ständigem Bevölkerungswachstum und Umweltzerstörung entstehenden Probleme nur durch Bildung in den Griff bekommen kann.

 

Mich erinnern alle diese Tätigkeiten und Vorhaben an die Gründerzeit der Naturfreunde in Österreich um 1900. Die Naturfreunde richteten Bibliotheken ein, organisierten naturkundliche Wanderungen und hielten Vorträge. Ihr Motto lautete „Bildung macht frei“. Auch damit könnte man die heutige Arbeit der afrikanischen Naturfreunde und Partnerorganisationen beschreiben.

 

Damals waren es Walzbrüder, die quer durch Europa zogen, günstige Arbeitsstellen suchten und Naturfreunde-Gruppen gründeten. Ferdinand Bednarz etwa, ein ungarischer Schriftsetzer, der liebevoll als „Apostel der Naturfreunde“ genannt wurde, war zwischen 1903 und 1908 an 17 Gründungen von Ortsgruppen beteiligt. Darunter auch die erste Gruppe außerhalb Österreichs, in Zürich.

 

In Afrika sind es heute Lehrerinnen und Lehrer, Beamtinnen und Beamte sowie Angestellte, welche die Ideen der internationalen Naturfreunde-Organisation verbreiten. Sie repräsentieren in den genannten Ländern derzeit rund 6000 bis 7000 Mitglieder.

 

Die Gründung des senegalesischen Naturfreunde-Verbandes ASAN (Association Sénégalaisedes Amis de la Nature) fand bereits 1983 statt. Nachdem ASAN vorerst die Etappen der Zusammenarbeit als Partnerorganisation und der assoziierten Mitgliedschaft erfolgreich durchlaufen hatte, erfolgte die vollständige Integration in die Naturfreunde-Bewegung durch die Aufnahme als ordentliches Mitglied der Naturfreunde Internationale (NFI) im Jahr 2002. Mit Unterstützung von Naturfreunde-Verbänden und -Ortsgruppen sowie einzelner Naturfreunde-Mitglieder und des deutschen Ministeriums für Entwicklungshilfe entstand in Petit Mbao bei Dakar ein ansehnliches Naturfreunde-Haus, in dem u. a. Umweltbildung betrieben wird und Ökoguides ausgebildet werden.

 

Nachhaltigkeit ohne Grenzen

Zum XXI. Kongress der Naturfreunde Internationale, welcher 2011 in Graz stattfand, kamen neun Delegierte aus sieben Ländern Nord- und Westafrikas. Sie erklärten übereinstimmend, dass für ihre weitere Entwicklung die internationale Vernetzung mit Gleichgesinnten und über Generationen hinweg ganz entscheidend sei. Zudem sei für alle Mitglieds- und Partnerorganisationen in Afrika das Wissen über die konkrete Naturfreunde-Arbeit in Europa und über Finanzierungsmöglichkeiten wertvoll und notwendig.

Gegenseitige Besuche von Naturfreunde-Mitgliedern sind im Sinne gegenseitigen Kennenlernens und Lernens voneinander sehr willkommen. Im Rahmen von Mitgliederreisen besuchten bereits mehrfach österreichische Naturfreundinnen und -freunde Senegal und wurden von ASAN-Mitgliedern durch das Land geführt.

 

Die Aktivitäten und Ziele der nationalen Mitgliedsverbände der NFI sind sehr heterogen. Sie reichen von sinnvollen Freizeitaktivitäten wie Bergsport über Klimaschutzmaßnahmen bis hin zur Naturschutzarbeit. Was allerdings weltweit alle NaturfreundInnen verbindet, sind Werte wie Freundschaft, Gemeinschaft, Solidarität und Demokratie. Die Naturfreunde wollen negative Entwicklungen in der Gesellschaft zum Positiven verändern. Konsequenterweise lautete deshalb auch das Motto des NFI-Kongresses in Graz, der von Dr. Heinz Fischer, Bundespräsident und Ehrenpräsident der Naturfreunde Österreich, eröffnet wurde, „Nachhaltigkeit ohne Grenzen“. Die Naturfreunde treten für ein globales Umdenken ein: Gerade die Entwicklungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass die einseitige Liberalisierung der Märkte zu einer ungezügelten Ausbeutung der Natur und unserer Umwelt führt sowie die Kluft zwischen Arm und Reich verstärkt, wie auch der Präsident der Naturfreunde Internationale Mag. Manfred Pils in seiner Rede vor den 130 Delegierten betonte.

 

Unsere Botschaft ist: Die Naturfreunde setzen sich für eine ökologisch und sozial gerechte Gesellschaft ein - in Österreich, in Europa, in Afrika und in der ganzen Welt. Dr. Karl Renner meinte übrigens schon bei der Eröffnung des ersten Naturfreunde-Hauses am Padasterjoch im Jahr 1907: „Berg frei, Welt frei!“

 

Text von Reinhard Dayer, Bundesgeschäftsführer der Naturfreunde Österreich

Bundespräsident Dr. Heinz Fischer begrüßte
am NFI-Kongress die afrikanische Naturfreunde-Delegation sehr herzlich.
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Naturfreunde Internationale

Die Naturfreunde Internationale ist die weltweite Dachorganisation von 50 nationalen Mitgliedsverbänden und Partnerorganisationen und hat 500.000 Mitglieder. Die NFI ist Mitglied der Plattform Green 10, der zehn große europäische Umweltorganisationen angehören, die auch auf EU-Ebene tätig sind.

 

Aufgaben: Gestaltung und Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung von Umwelt und Gesellschaft auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene

 

Präsident: Mag. Manfred Pils

 

Generalsekretär: Dipl.-Ing. Dr. Christian Baumgartner

 

Sitz: Diefenbachgasse 36, 1150 Wien

 

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